Die Gretchenfrage: Wer zahlt beim ersten Date?

Wenn die Rechnung in Restaurant oder Lokal kommt, ist das Date meist vorbei. Nicht nur zeitlich, sondern mitunter auch durch die unangenehme Situation, die entsteht. Zumindest dann, wenn die Frage nicht geklärt ist, wer/was bezahlt. Dieser von vielen als peinlich empfundene Moment kann einen schönen Abend regelrecht zerstören und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Schuld daran sind überholte Vorstellungen und Erwartungen, die aus einer Zeit stammen, in der Emanzipation noch eine zartes Pflänzchen und Frauen finanziell dem Mann untergeordnet waren.

Zahlt der Mann, zahlt die Frau, zahlt jeder für sich selbst? Diese Fragen sollten sich Singles, die sich verabreden, schon vor dem ersten Treffen gegenseitig stellen. Das ist legitim und beugt einem Desaster vor. Alternativ ist spontanes Handeln aus dem Bauch heraus, so wie es der eignen Persönlichkeit gerecht wird, die beste Lösung. Denn mal ehrlich gesagt: Wenn ein Date schon an der Frage, wer die Rechnung bezahlt, scheitert, dann kann es ohnehin abgehakt werden. Soweit muss es nicht kommen – Wie Männer und Frauen souverän mit der Situation umgehen, zeigt der Ratgeber auf.

Moderne Zeiten, veraltete Rollenklischees und überholte Ansprüche

Wir leben und daten im 21. Jahrhundert, verabreden uns mit unbekannten Menschen über ein Online-Medium, verhalten uns aber in realen Situationen wie vor 100 Jahren. Passt das zusammen? Nein. Aber es ist so, weil Verhaltensmuster, Rollenklischees, Erwartungen wie eingebrannt sind und scheinbar von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Frauen und Männer können heute frei entscheiden, jeder verdient sein eigenes Geld. Finanzielle Abhängigkeiten wie sie noch bis weit in die 1950er Jahre existierten, sind heutzutage nicht mehr gegeben. Und doch gehen nicht wenige Frauen automatisch davon aus, dass der Mann beim ersten Date die Rechnung zahlt. Unreflektierte Begründungen auf die Frage, warum der Mann dies tun soll, lauten in etwa: „Das zeugt von Interesse und Wertschätzung. Männer müssen Gentlemen sein. Das ist doch schon immer so“. Es wird einfach erwartet. Und da gibt es auch noch so etwas wie den Ehrenkodex beim Mann, der das verstaubte Rollenbild übernimmt, weil er über den Dingen stehen will.

Wenn wir ehrlich sind, gibt es kein Recht, irgendetwas zu erwarten. Frauen verdienen selbst Geld, können ausdrücken, was sie wollen oder nicht. Sie dürfen den Mann einladen oder ihren Anteil bezahlen. Umgekehrt ist es natürlich genauso. Das nennt man Gleichberechtigung. Was daran nicht funktioniert ist ein altbekanntes Problem: Die Kommunikation.

Ein typisch deutsches Problem?

In anderen Ländern sieht man das Bezahlen der Rechnung, wenn zwei oder mehrere Personen beteiligt sind, ganz entspannt. Die Bedienung bringt die Gesamtrechnung, die einer aus der Gruppe zahlt. Alternativ wird der Betrag durch die Anzahl der Tischgäste vom Personal geteilt und jeder zahlt genau diesen Anteil. Getrennte Rechnungen sind eher unüblich. Daran kann man sich auch in Deutschland ein Beispiel nehmen. Deutsche Bedienungen händeln die Abrechnung unterschiedlich. Viele legen eine Gesamtrechnung vor, andere fragen zuvor, ob die Personen getrennt oder zusammen bezahlen. In jedem Fall sollten sich die Tischpartner in diesem Moment über die Antwort einig sein.

So ist es laut Knigge richtig: Wer einlädt, zahlt

Etikette, Anstand, Knigge – Wenn es danach geht, findet sich eine klare Regel: Wer einlädt, der zahlt. An die sollte Mann oder Frau sich auch halten, das gebietet der gute Ton. Allerdings ist die Einladung auch als solche zu artikulieren. Wenn das Gegenüber nur aus seiner Sicht annehmen darf, dass es eingeladen wurde oder wird, ist das unerheblich. Ein Beispiel: Teilt Peter Karin mit, dass er sie zum Drink in die Bar einlädt, dann bezahlt er auch. Wie viele Drinks damit gemeint sind, bleibt erst einmal offen. Ausgehen darf Karin von einem Drink. Der Rest wird sich ergeben.

Vorbeugen ist besser als …: Fronten klären vor dem ersten Date

Was ist so schlimm daran, das heikle Thema schon vor dem Date, am Telefon oder per Messenger anzusprechen? So selbstverständlich wie die Frage nach dem Wohin auftaucht, sollte es auch sein, zu fragen: „Zahlen wir getrennt, zahlst Du oder ich?“ Oder einer lädt von sich aus ein, ohne jedweden Hintergedanken daran, wie das Date ausgehen könnte. Diese  Vorgehensweise wird von Datingexperten empfohlen und hat sich in der Praxis bewährt.

Entsprechend des eigenen Typs handeln

Es gibt Frauen wie auch Männer, die ihre Rechnung grundsätzlich und unabhängig von Sympathie oder Desinteresse selbst bezahlen wollen. Einige Frauen freuen sich, wenn sie den Mann einladen dürfen, ebenfalls ganz ohne Hintergedanken. Und da sind die Männer, die aus eigener Überzeugung gerne den Geldbeutel für ihre Verabredung öffnen. Wenn vor dem Date nicht geklärt wurde, wie das Bezahlen vonstattengeht, ist es wichtig, in der Situation nach seinen Präferenzen zu handeln. Niemand muss die Rechnung übernehmen, wenn er sich mit seinem Date komplett unwohl gefühlt hat oder weil das Gegenüber weiblich oder männlich ist. Was gar nicht geht, sind primitive Ausweich-Handlungen, wie z.B. das Verschwinden auf Toilette oder zum Rauchen nach Draußen. Ausreden wie: „Ich habe mein Portemonnaie zu Hause vergessen“ gehören ganz bestimmt nicht zur feinen Art. Noch schlimmer ist es, wenn jemand kein Geld hat und darauf setzt, dass der Dating-Partner das schon richten wird.

Zahlen beim Date: 7 Tipps für Frauen und Männer in der konkreten Situation

  1. Der Datingpartner ist so gar nicht der eigene Typ, mitunter total unsympathisch, vielleicht wünscht man sich, das Date wäre endlich schon vorbei. Wenn eine derartige Abneigung besteht, ist es sinnvoll, getrennt zu bezahlen.
  2. Hat das Gegenüber seine Einladung vor dem Date ausgesprochen oder wurde vereinbart, wer zahlt, ist es unhöflich und bringt in Verlegenheit, vor dem Bezahlen abzulehnen. Dabei ist es unerheblich, aus welchen Gründen der andere ablehnen will (Emanzipation, eigene Einstellung, Datingflop).
  3. Frauen, die für den Mann die Rechnung mitzahlen möchten, punkten durch eine kesse Offensive, in dem sie zu Beginn des Dates, spätestens aber wenn die Rechnung kommt, eine Einladung aussprechen.
  4. Will Mann oder Frau am liebsten getrennte Kassen, ist es auch bei einer Gesamtrechnung sinnvoll, dass einer der beiden der Bedienung den Betrag aushändigt und das Teilen im Anschluss erfolgt. Oder bei der Bestellung kann schon angegeben werden, dass getrennte Rechnungen gewünscht sind.
  5. Wer einlädt, sollte sich nicht übernehmen, z.B. durch den Besuch eines Sterne-Restaurants oder eines exklusiven Clubs. Immer eine Nummer kleiner kochen!
  6. Geben und Nehmen im ausgewogenen Verhältnis lauten die Eckpfeiler für gesunde und glückliche Beziehungen. Wer eingeladen wird, darf auch gerne zurückeinladen und ebnet damit den Weg für ein besseres Kennenlernen. Der eine zahlt heute das Dinner, der andere beim nächsten Mal die Kinokarten. Einfach mal vorschlagen.
  7. Dem Bezahlvorgang beim ersten Date wird viel zu viel Bedeutung beigemessen und zwar von beiden Seiten. Einladen bedeutet nicht zwangsläufig, dass er oder sie großes Interesse hat oder mehr will. Es ist eine Geste, die aus verschiedenen individuellen Gründen wie Erziehung, Einstellung, Erwartungsdruck erfolgen kann. Genauso ist es kein Zeichen von Desinteresse, wenn jemand seine Rechnung selbst zahlen möchte.

Gemeinsame Unternehmung/Freizeitaktivität: Wer zahlt hier was?

Es macht einen Unterschied, an welchem Ort und zu welchem Zweck die Verabredung erfolgt. Kneipe, Restaurant, Bar sind klassische Treffpunkte für das erste Date. Daneben finden immer mehr Singles Gefallen daran, sich an einem Ort zu treffen, an dem beide gemeinsam etwas erleben können, z.B. Freizeitpark, Spaßbad, Golfplatz, Ausstellung/Museum. Hier kommen andere und evtl. höhere Kosten auf die Datingpartner zu als im Restaurant oder in der Kneipe. Grundsätzlich gilt auch hier: Wer einlädt, zahlt. Ansonsten ist eine Trennung durchaus sinnvoll, damit sich die Kosten in Grenzen halten. Eintrittsgelder beispielsweise sollten getrennt bezahlt werden. Auch Verpflegung und besondere Extras übernehmen beide Partner idealerweise selbst. Ein Getränk oder Eis lässt sich durchaus spendieren und kann dann in der Tat ein Zeichen von Zuneigung und Interesse sein.

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