Date-Schnorren: Sneating

Hinter dem Begriff „Sneating“ versteckt sich ein weiterer, unschöner Dating-Trend, der vor allem von weiblichen Singles betrieben wird.

Sneating vereint die beiden englischen Worte „sneaking“ und „eating“, was dann ungefähr so viel bedeutet wie: Hinterlistig essen oder sich ein Essen bewusst ergaunern. Gemeint ist damit, dass Singles ein Date in einem meist hochpreisigen Restaurant anbandeln und dabei darauf spekulieren, dass der andere die eigens bestellten Speisen und Getränke mitübernimmt.

Beim Spekulieren bleibt es allerdings nicht, vielmehr setzen die Date-Schnorrer gezielte Strategien ein, damit der Dating-Partner von sich aus und ohne große Diskussionen die Rechnung für beide bezahlt.

Trend-Herkunft und Bedeutung

Herübergeschwappt ist der Trend, sich mehr oder weniger hinterlistig ein Essen zu erschleichen, aus Amerika, obwohl es kein typisch amerikanisches Phänomen ist. Rund um den Globus wird immer noch das Klischee aufrechterhalten, dass der Mann die Frau beim Ausgehen, sei es zum Dinner, auf einen Drink in die Bar oder zum Feiern in den Club einlädt, also quasi die Rechnungen zahlt. Das machen Männer der „alten Schule“ so und Gentlemen, die einer Dame imponieren wollen, tun es sowieso. Dieses traditionelle Verhalten wird vom männlichen Geschlecht nicht selten unbewusst gestützt, z.B. wenn der Mann vor der Frau nicht als geizig dastehen oder ein schmales Budget beim ersten Date offenbaren will.

Bereits seit 2011 existiert der Begriff Sneating im Online-Wörterbuch für englische Slangbegriffe, dem „Urban Dictionary“. Allerdings ist er erst vor einiger Zeit durch eine Amerikanerin, die im Onlinemagazin „Whimn“ ihre Erfahrungen mit dieser umstrittenen Dating-Methode veröffentlichte, so richtig in den internationalen Fokus gerückt. Als Studentin mit wenig Einkommen hatte die Dame das Sneating für sich entdeckt und so innerhalb weniger Monate an die 40 Gratis-Essen durch eingefädelte Dates erhalten.

Mittlerweile ist Sneating längst nicht mehr nur eine profunde Methode für arme Studentinnen. Frauen unterschiedlicher Altersklassen und aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, machen sich einen fiesen Spaß mit Sneating. In der Tat sind es überwiegend Frauen, die Sneating betreiben, aber Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel. Hier gibt es aber den kleinen Unterschied, dass Männer, die vom Essen schnorren profitieren wollen, logischerweise bei den Frauen auf ein neues, modernes Rollenverständnis setzen. Und die Zahl der Frauen, die gerne für den Mann mitbezahlen, ist von Haus aus eher gering.

Personen, die auf den Sneating-Trend aufspringen, daten nur, um zu einem schicken Menü eingeladen zu werden, ganz ohne Rücksicht auf die Gefühle des Gegenübers und zwar in jeder Hinsicht. Es geht nicht um ein Wiedersehen, um ein zweites, drittes oder viertes Treffen, es sei denn, der kulinarische Genuss steht stets im Vordergrund und der Mann übernimmt jedes Mal die Rechnung. Dabei werden auch gerne falsche Emotionen vorgespielt, der unbedarfte Dating-Partner erlebt ein reales Fake.

Die Mehrzahl der Sneating-Dates ist jedoch eine einmalige Angelegenheit, d. h., die Dating-Partner wechseln häufig, ebenso wie die Lokalität. Nach dem Date melden sich die Sneater entweder gar nicht mehr oder ziehen sich mit allerlei Sprüchen, z.B. dass es nicht gepasst hat oder kein weiteres Interesse mehr besteht, aus der Affäre. Um auch jetzt noch möglichst unauffällig zu bleiben, wird gern ein überschwängliches Dankeschön für das bezahlte Essen ausgesprochen.

Vorgehensweise beim Sneating

Schon im Vorfeld werden die Sneating-Opfer bewusst ausgesucht. Es geht weniger um echte persönliche Sympathie, die sich schon an Bildern und Profiltexten festmachen kann, sondern darum, ob der potentielle Kandidat ein Verfechter der „alten Schule“ ist: zuvorkommend, galant, verwurzelt mit dem traditionellem Rollenverständnis. Wer sich schon beim Schreiben und Chatten oder Telefonieren als bekennender Anhänger der Emanzipation und der Gleichberechtigung von Mann und Frau outet, ist aus dem Rennen.

Aussehen und Charisma sind ebenfalls zweitrangig, was zählt ist eher der „monetäre“ Eindruck. Um leichter festzustellen, wer ein geeigneter Kandidat für das Zahlen von hochpreisigen Restaurantrechnungen ist, kommen nicht selten unterschwellige Fragen nach den Vermögensverhältnissen, nach dem Job, nach Einstellungen zum Frauenbild, etc. zum Tragen, die durch die Blume gestellt werden. Einige wollen auch schon vor dem Date wissen, ob der Mann die Rechnung für sie mitbezahlt und lenken Gespräche geschickt in diese Rechnung. So könnte ein Satz lauten: „Ich würde ja unheimlich gerne mal dieses neue In-Restaurant besuchen, aber mein Budget für solche Aktivitäten ist in diesem Monat schon aufgebraucht.“ Männer springen gerne auf diesen Zug auf und bieten die Einladung an.

Ist ein Kandidat auf die eine oder andere Weise gefunden, wird ein Date in einem oft von der Frau ausgewählten Restaurant vorgeschlagen. Beim Treffen gibt sich die Dame sehr freundlich, zuvorkommend, interessiert, flirtet mitunter auch deutlich übertrieben mit dem Gegenüber, bleibt aber insgesamt eher unverbindlich, was ihre eigene Person betrifft.

Wenn die Rechnung kommt oder das Bezahlen ansteht, finden unterschiedliche Strategien Anwendung. So sehen Beispiele in der Praxis aus:

  • Die Frau verschwindet auf der Toilette und kommt erst wieder, wenn vom Personal abkassiert wurde.
  • Die Frau bleibt ruhig und gelassen, zückt kein Portemonnaie, sondern überlässt dem Mann komplett den Handlungsrahmen. Das setzt ihn dann unter Zugzwang und er zahlt für sie mit.
  • Die Frau gibt vor, ihren Geldbeutel vergessen zu haben, kann also offensichtlich nicht zahlen. Der Gentleman übernimmt.
  • Die Frau erhält eine SMS oder einen Anruf, worauf sie dringend und überstürzt weg muss (Angehörige im Krankenhaus). Das Bezahlen wird zur Männersache.
  • Die Frau gibt vor, ihren Teil zu bezahlen, hofft aber auf die Übernahme durch den Mann (unterschwelliger Appell an die Großzügigkeit des Mannes).

Dies sind nur einige von vielen Möglichkeiten. Und doch sieht das Ende vom Dating immer gleich aus. Man sieht sich nie wieder, mitunter wurde mit Gefühlen gespielt und diese auch verletzt. Zurück bleiben Sneating-Opfer, die nicht unbedingt gleich realisieren, was da passiert ist, weil es so geschickt eingefädelt wurde. Doch dann stellt sich Enttäuschung ein, der Sneating-Geschädigte fühlt sich ausgenutzt und hintergangen. Dieser fiese Dating-Trend aus niederen Beweggründen gefährdet ehrlich gemeintes Dating auf Augenhöhe. Opfer können weniger vertrauen, echtes Kennenlernen wird dadurch schwieriger.

Tipps, um sich vor Sneating zu schützen

Ein Pauschalrezept zum Erkennen und Verhindern von Sneating gibt es leider nicht. Vielmehr geht es um die feinen Antennen, die der Mann schon vor und während dem Treffen ausfahren sollte, damit er Anzeichen wahrnimmt. Mit den nachfolgenden Tipps lässt sich die Spreu ggf. leichter vom Weizen trennen:

  • Vor dem Date sollten Angaben und Aussagen über die eigenen finanziellen Verhältnisse tabu sein. Im Zweifel eher auf einen schmalen Geldbeutel hindeuten, das schreckt potentielle Sneater ab.
  • Der Ort, für das erste Date sollte immer von beiden gemeinsam festgelegt werden. Wenn die Dame sich nur in einem Restaurant treffen möchte, kann der Mann generell ablehnen oder es gilt, die Bezahlformalitäten von Anfang an klar zu regeln.
  • Die Frau zeigt beim Date kein großes Interesse an der Person, ist deutlich auf die Speisen, das Restaurant an sich fokussiert. Freundlichkeit und Flirtversuche wirken eher aufgesetzt. Rücksicht und Absprache sind Fremdworte. Es wird das Teuerste und Beste ausgewählt.
  • Wenn die Frau kurz bevor es an das Bezahlen geht, auf die Toilette verschwinden will, sollte der Mann signalisieren, dass die Rechnung auch warten kann, bis sie zurück ist. Es sei denn, er will wirklich die verzehrten Speisen und Getränke für beide übernehmen.

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