Was sind Kuschelpartys?

In großen deutschen Städten werden zunehmend „Kuschelpartys“ gefeiert, die erste fand 2005 in Berlin statt. Was ist das?

Bei Kuschelpartys kommen Männer und Frauen jeden Alters zusammen, um Körperkontakt zu haben, Zärtlichkeiten auszutauschen, sich gegenseitig zu berühren und dabei zu entspannen. Das alles passiert ohne jeglichen sexuellen Hintergrund und Zusammenhang. Es geht darum, sich geborgen zu fühlen und all die positiven Elemente wahrzunehmen, die Kuscheln mit sich bringt.

Dennoch handelt es sich bei den Kuschelpartnern um Fremde, Menschen, die man zum ersten Mal im Leben trifft und vermutlich auch danach nicht wieder sieht. Das macht es für viele Teilnehmer schwierig, sich zu öffnen und die Party zu genießen. In diesem Beitrag sollen die Entstehung, Entwicklung, Chancen und Risiken der Knuddelpartys beleuchtet werden.

Wer hat die Kuschelpartys erfunden und welchen Sinn haben sie?

Der amerikanische Sexualtherapeut Reid Mihalko veranstalte im Januar 2004 die allererste „Cuddle Party“ in seinem Appartement in Manhattan. Zusammen mit seiner Partnerin, der Beziehungsberaterin Marcia Baczynski, hat Mihalko diese Art der Zusammenkunft ursprünglich konzipiert, um frischen Wind in den Beziehungsalltag der Klienten zu bringen. Gerade der Körperkontakt nimmt bei langjährigen Beziehungen eher ab als zu, die Sensibilität für die Bedürfnisse des anderen gerät in den Hintergrund.

Die Resonanz auf diese neue Veranstaltung war groß und zeigte wieder einmal, was ohnehin schon lange bekannt ist: Menschen haben generell ein großes Bedürfnis nach Berührungen und Zärtlichkeit, weil dies auch von Geburt an angelegt ist. Schon der Säugling braucht eine liebevolle körperliche Zuwendung, um ohne Defizite heranzuwachsen.

Berührung, Schmusen, Kuscheln, einem anderen nah sein sorgt für körperliches und seelisches Wohlbefinden, stärkt Körper und Geist, schenkt Energie.

So entstanden die ersten Kuschelpartys, die für alle offen sind, in Amerika. Mihalko und seine Partnerin bilden Interessierte als Kuscheltrainer/innen aus und veranstalten regelmäßig Cuddle Partys in New York, Kalifornien und Hawaii.

Ein Jahr später organisierte die Diplombiologin und ausgebildete Berührungs- und Kuscheltrainerin Rosi Doebner die erste Kuschelparty in Deutschland, genauer gesagt in Berlin. Inzwischen finden deutschlandweit in allen größeren Städten Kuschelpartys statt. Auch Österreich und die Schweiz haben das Konzept übernommen. Rosi Doebner, die auch Ausbildungskurse zum/zur Kuscheltrainer/in anbietet, verfügt über eine der umfangreichsten Informationsseiten zu den immer beliebter werdenden Veranstaltungen.

Kuschelpartys sind nicht nur dazu da, das eigene Bedürfnis nach Berührung zu befriedigen, sondern auch, um Achtsamkeit für das Geben und Empfangen zu erfahren. Was tut dem anderen gut, was mag er nicht? Berührung und der Austausch von Zärtlichkeiten sind geschlechts- und altersunspezifisch, weshalb es hier auch keine Grenzen bei Knuddelpartys gibt. Jedoch sind sexuelle Berührungen und Handlungen absolut tabu.

Wie ist eine Kuschelparty organisiert und wie läuft sie ab?

So könnte eine Kuschelparty aussehenEine Schmuseparty bietet den Teilnehmern einen geschützten Rahmen, um die Sehnsucht nach Körperkontakt, der nicht auf sexueller Motivation beruht, zu erfüllen. Organisierte Partys zum Kuscheln finden in angemieteten Veranstaltungsräumen, kleinen oder großen Hallen oder auch in Räumlichkeiten von Therapeuten, Heilpraktikern etc. statt. In den Räumen sind Matten und Kissen ausgelegt, auf denen das eigentliche Kuscheln stattfindet. Daneben können Bereiche zum Kennenlernen oder mit Sitzgelegenheiten vorhanden sein.

Diese Partys werden immer von einem ausgebildeten Kuscheltrainer geleitet und finden nach festen Regeln und mit einem bestimmten Ablauf statt. Eine Anmeldung kann erforderlich sein, die Teilnehmerzahl ist entsprechend den Räumlichkeiten, in denen die Schmuseparty stattfindet, begrenzt. Möglich sind bei großen Gruppen bis zu 50 Teilnehmer, in der Regel ist die Gruppengröße jedoch überschaubar. Eine Altersbegrenzung nach oben und unten gibt es nicht, wobei jedoch die Volljährigkeit der Personen meist vorausgesetzt wird. Es handelt sich um gemischte Gruppen, bestehend aus Männern und Frauen, es sind aber auch nur Gruppen mit Männern oder Frauen möglich. Im Hintergrund läuft Musik, diese kann laut, leise, meditativ, stimmungsvoll sein, ganz so wie es Handlungsablauf und individuelles Konzept vorgeben. Die Kleidung der Teilnehmer sollte bequem sein. Für die Teilnahme wird eine Gebühr verlangt.

Zu Beginn steht das Kennenlernen der Teilnehmer, das sehr ungezwungen ist, es werden Regeln und Ablauf erklärt und offene Fragen beantwortet. In der Aufwärmphase finden erste Anleitungen zum Kuscheln statt. Diese sind spielerisch aufgebaut und können sich in verschiedene Stufen gliedern, z.B. gemeinsam tanzen, Personen mit verbundenen Augen berühren, den Rücken einer Person streicheln. Dann folgt das freie Kuscheln, bei dem jeder mit jedem nach Herzenslust und innerhalb der aufgestellten Regeln Berührungen austauschen kann. Wichtig ist hierbei immer, dass jeder es auch ablehnen kann, eine bestimme Person zu berühren oder von ihr berührt zu werden. Die Party endet mit einer Abschlussrunde, die Möglichkeiten für eine Feedbackschleife und einen ersten gegenseitigen Erfahrungsaustausch bietet.

Welche Chancen und Risiken gibt es bei Kuschelpartys?

Die erste Kuschelparty, an der man teilnimmt, ist immer ein Experiment. Es muss einem letztlich gefallen und es kostet ganz zu Beginn bzw. bei stets neuen Menschen Überwindung. Es geht um Zulassen und Loslassen – alles Dinge, die schon im Alltag und mit vertrauten Personen nicht unbedingt leicht fallen. Knuddelpartys bieten Chancen und neue Erfahrungen, können aber auch unangenehme Erlebnisse und Risiken mit sich bringen.

Singles, Alleinerziehende, einsame Menschen, die ein Bedürfnis nach Zärtlichkeit, Umarmung, zwischenmenschlicher Nähe haben, können von Kuschelpartys profitieren. Jeder, der hier hinkommt, hat das gleiche Bedürfnis und muss keinerlei Verpflichtungen eingehen, um es zu erfüllen. Alles ist unverbindlich. Aber auch Menschen, die einfach nur neugierig und offen für eine neue Erfahrung sind, besuchen diese Art von Partys. Die eigene Erwartungshaltung steht dem Menschen oft im Weg, daher sind solche Veranstaltungen sehr gut dazu geeignet, um zu erfahren, wie es sich anfühlt, ganz ohne Erwartungen anderen näher zu kommen.

Eine Garantie, dass es gut, angenehm, entspannend sein wird, gibt es nicht. Denn jede Gruppe hat ihre Individuen und nicht jeder kann oder will mit jedem kuscheln. Daher ist es auch unerlässlich, dass die eigenen Grenzen nicht überschritten werden.

Wer merkt, er fühlt sich absolut unwohl in der Menge, in der Situation, sollte die Party verlassen und für sich beenden. Auch kann es sein, dass sich einige nicht an die Regeln halten und Tabus brechen. Hier ist es wichtig, dass der Trainer sofort handelt und die Tabubrecher von der Party ausschließt.

Durch die Teilnahme an einer Kuschelparty können auch verschüttete Emotionen, psychische Blockaden, Trauma-Erfahrungen oder unschöne Erlebnisse aus der Vergangenheit ans Licht kommen. Denn Kuscheln und Zärtlichkeiten austauschen, sind wir entweder nur von vertrauten Menschen gewohnt oder eben auch nicht, weil es seit jeher vorenthalten wurde. Auch ein sehr enttäuschtes Vertrauen in Mitmenschen und Umwelt kann im Rahmen einer Kuschelparty sowohl negative als auch positive Aspekte hervorbringen.

Wo gibt es eine Terminübersicht?

Eine Übersicht über einzelne Termine ist nicht für ganz Deutschland zu finden. Alleridings hat sich die Webseite alle-kuschelpartys.de die Mühe gemacht, dei bekanntesten Organisatoren für verschiedene Städte mit Links oder Kontaktdaten aufzulisten.

Selbst Kuscheltrainer werden?

Rosi Doebner bietet in Berlin kostenpflichtige Ausbildungskurse zum/zur Berührungs- und Kuscheltrainer/in und Workshops zur Thematik an. In etwa einer Woche lernen die angehenden Kuscheltrainer/innen die bedeutenden Sofkills, wie mit schwierigen Situationen umzugehen ist und natürlich alles rund um Veranstaltung und Organisation, denn eine Schmuseparty ist auch ein kommerzielles Event, das geplant und vorbereitet sein will.

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