Sexting

Wieder mal so ein neues Schlagwort in der multimedialen Online-Welt: Sexting. Die Wortschöpfung aus Sex und Texting steht für den digitalen Austausch persönlicher erotischer Nachrichten, Sprachnachrichten, Fotos und Videos. Via Computer, Smartphone, Tablet, mit Messengern und Apps, wird Sexting überwiegend von Jugendlichen und jungen Erwachsenen weltweit rege betrieben. Die Altersspanne der Personen, die an Sexting großen Gefallen finden, liegt in der Regel – aber nicht nur – zwischen 13 und 30 Jahren.

Sexting – die Mischung macht’s

Sexting ist nicht nur erotisches, anregendes und erregendes Schreiben, auch das Versenden von freizügigen Fotos oder entsprechenden Sprachnachrichten und Videos gehören dazu. Die sexuelle Kommunikation per Camchat über Online-Dienste wie Skype fällt ebenfalls im weitesten Sinne unter diese Form der erotischen Kommunikation.

Beim Sexting werden ausschließlich Gedanken, Fotos, Videos der eigenen Person an den Sextingpartner versendet. Es ist also keine Verteilung von wahllosen erotischen Inhalten. Allerdings hat das freizügige Austauschen das Potential dazu, wenn das vertraulich gesendete Material öffentlich zugänglich gemacht wird oder wenn es sich um freizügige Bilder von Minderjährigen handelt. Hier sehen viele Experten die größten Probleme dieser Kommunikationsform.

Wer macht Sexting und warum?

Die hypermoderne Cyberwelt hat uns völlig neue Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet. Wir können Dinge sagen und schreiben, die wir uns von Angesicht zu Angesicht niemals oder nur sehr vorsichtig trauen, gerade beim Online-Dating und der Partner- oder Flirtsuche online ist eine offene und lockere Kommunikation für jedermann und jede Frau unproblematisch, man bleibt ja noch weitestgehend anonym. Schnell wird aus einem Gespräch über das Wetter und die persönlichen Befindlichkeiten ein angehauchter Dirty Talk, der sich mit eindeutig zweideutigen Formulierungen sehr erregend ausbauen lässt. Das steigert die Neugier und weckt vielfach erst recht das Interesse. In der Paarbeziehung erlaubt das erotische Flirten per Handy/Internet durch die mobil vernetzte Welt heiße Kommunikation zu jeder Zeit und an jedem Ort, was sich positiv auf das nächste reale Zusammentreffen auswirken kann, denn die Vorfreude wird so richtig angefeuert.

Wer macht Sexting? Nur Verliebte? Paare in festen Beziehungen? Personen, die sich fremd sind? Sowohl als auch – hauptsächlich ist es ein Phänomen, das bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer (meist frischen) Beziehung hoch im Kurs steht, aber Sexting zeigt auch einen großen Anreiz unter sich noch nicht persönlich bekannten Männern und Frauen, die sich über das Internet in Single-, Dating- und Flirtbörsen oder sozialen Netzwerken kennenlernen und näherkommen wollen oder auch ihren Marktwert beim anderen (oder gleichen) Geschlecht testen möchten.

Warum Sexting? Es macht Spaß, es regt die Fantasie auf ungeheure Art und Weise an, denn das Kopfkino läuft durch die richtigen Phrasen, untermalt mit einem Foto oder Video, das weder zu viel noch zu wenig zeigt, auf Hochtouren. Das steigert die Vorfreude auf Sex, wirkt extrem anziehend und erregend, kann die Person aber auch in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.

Verschiedene Internetseiten und Online-Magazine, die sich mit dem Thema intensiver beschäftigt haben und bei denen sich mitunter auch jugendliche User zu Wort melden, zeigen, dass auch ein gesellschaftlicher Druck der Grund für das freizügige Chatten sein kann. So fällt sehr oft das Wort „Nötigung“ im Zusammenhang mit Sexting, wenn erotische Fotoaufnahmen mehr oder weniger gefordert werden. Z. B. nach dem Motto: „Entweder du schickst mir jetzt so ein Bild, oder ich will dich gar nicht erst näher kennenlernen“. Hier hört der Spaß natürlich auf, denn erzwungene Bilder haben mit dieser Form des neckischen Kommunizierens überhaupt nichts mehr zu tun.

Attraktives Sexting – so geht´s

Sexting ist keineswegs obszöner, vulgärer oder anmaßender Dirty Talk, sondern viel mehr die hohe Kunst der erotischen Kommunikation. Die typischen derben Kraftausdrücke sollten daher ebenso außen vor bleiben, wie ein zu direktes Auftreten. Weniger ist mehr, Andeutungen haben einen weitaus größeren Reiz, da sie die Fantasie ankurbeln. Das betrifft auch die Bilder, die dabei verschickt werden. Nacktaufnahmen oder Großaufnahmen von Geschlechtsteilen sind beim originellen Sexting tabu, auch hier kommt es auf die versteckten Werte an. Eindeutige Zweideutigkeiten würzen den Austausch und haben etwas Geheimnisvolles an sich. Außerdem wissen nur die Beteiligten, worum es geht.

Wer das erotische Flirten mit Charme und Freude betreiben will, der sollte sich also in Kommunikation üben und einige Grundregeln beachten. Das ist wie mit dem Verkaufen von Produkten über das Internet. Erst die richtigen Fotos in Verbindung mit einem ansprechenden Text führen zu einem Absatzerfolg. Und Sexting ist nun mal eben auch ein bisschen „Verkaufen“, wenn auch in eigener Sache. Hier einige ungeschriebene Sexting-Regeln:

  • Humorvolle Sprache, aber keine Witze unter der Gürtellinie.
  • Rechtschreibfehler vermeiden, denn die törnen ab.
  • Auf Kose- und Tiernamen verzichten.
  • Zitate und Weisheitssprüche haben in der Sexting-Kommunikation nichts verloren.
  • Appetit machen, aber nicht gleich die ganze Story auf den Tisch packen, immer daran denken: Das Kopfkino soll arbeiten und zwar auf Hochtouren.
  • Selfie-Fotos ins gedämpfte, beste Licht rücken, kreative, vorteilhafte Aufnahmen, ohne Gesicht, auch gerne bearbeitet, die Fantasie braucht keine harte Realität.
  • Emojis betonen Emotionen und Gefühle, sie tragen auch viel dazu bei, dass Geschriebenes nicht falsch verstanden wird.
  • Kürzel, speziell für Sexting oder eben die altbekannten, sind ein zweischneidiges Schwert, eindeutig ist hier eindeutig interessanter sagen die einen, die anderen kürzen lieber ab, auch aus Sicherheitsgründen.

Gefahren, die Sexting birgt

Bilder, Sprachnachrichten, getexte Zeilen – alles, wirklich alles, kann rein theoretisch in der Online-Welt da draußen oder beim falschen Empfänger landen. Ob unbeabsichtigt, durch bestimmte Apps oder aber bewusst, um jemanden bloß zu stellen, zu mobben oder einfach aus verantwortungsloser Dummheit. Was das für die „entblößte“ Person sozial bedeutet, ist jedem klar, aber für den, der solche Inhalte verbotenerweise besitzt oder veröffentlicht, hat das auch rechtliche Konsequenzen. Zu nennen sind hier Verstöße gegen das Urheberrecht, das Recht am eigenen Bild oder den Schutz von Minderjährigen. Die Webseite klicksafe bietet hier eine gute Anlaufstelle für Betroffene. Weitere Tipps bietet medienbewusst.de.

So spannend und reizvoll Sexting für die moderne junge Generation auch ist, die Erfahrung zeigt bereits, dass viele nicht mit den neuen Online-Spielarten umgehen können und daher ist Vorsicht angeraten. Denn was einmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht ist, verschwindet so schnell nicht wieder und was Cybermobbing bedeutet, spüren viele Jugendliche und Erwachsene Tag für Tag.

Sicheres Sexting

Hundertprozentige Sicherheit gibt es leider nicht. Aber wer gewisse Vorkehrungen trifft und sich an bestimmte Tipps hält, der grenzt das Gefahrenrisiko für Sexting-Missbrauch deutlich ein.

Das fängt bei den rein technischen Komponenten wie Apps, Messengern und Sicherheitseinstellungen an den mobilen Endgeräten an. Snapchat und Whatsapp zählen zu den Favoriten für den Versand von Nachrichten, Sprachnachrichten und Bildern. Bilder die via Snapchat gesendet werden, sind nur für kurze Zeit sichtbar und können ohne entsprechendes Hintergrundwissen nicht mehr geöffnet werden. Jeder sollte wissen, was die entsprechende App kann und vor allen Dingen, was sie mit den Daten, Bildern etc. macht.

Vertrauen ist ein Stichwort, das im Zusammenhang mit Sexting immer wieder fällt. Das ist aber beim Sexting mit einer bisher noch unbekannten Person wie dem Online-Flirt schwierig, aber auch ein vermeintlicher guter Freund kann Missbrauch mit Nachrichten und Fotos treiben. Deshalb: Gesicht oder auffällige körperliche Erkennungsmerkmale wie Tattoos, Piercings, Narben unkenntlich machen oder erst gar nicht mit aufs Bild nehmen. Die Nennung der echten Namen und sonstiger persönlicher Daten in der Kommunikation vermeiden.

Sexting ist und bleibt eine völlig freie Angelegenheit. Niemals dazu drängen oder unter Druck setzen lassen. Insbesondere der Versand von freizügigen Bildern sollte mit einem eigenen guten Gewissen erfolgen und jeder sollte diese so gestalten, dass darauf auch bei einer unerlaubten Veröffentlichung keine Rückschlüsse auf die eigene Person möglich sind. In jedem Fall sollte bei Verstößen gegen rechtliche und gesetzliche Grundlagen vorgegangen werden, damit klar ist, dass der „Täter“ damit nicht durchkommen kann.Es drohen empfindliche Strafen und Ermittluinbgsbehörden wie auch Gerichte sind inzwischen für das Thema sensibilisiert. bei Personen unter 14 Jahren handelt es sich zudem um den Straftatbestand von Kinderpornografie.

Erziehungsberechtigte stehen in der Verantwortung für Minderjährige und sollten offen mit Kindern und Jugendlichen über dieses Thema sprechen und über unangenehme Konsequenzen und Gefahren aufklären. Verbote erreichen genau das Gegenteil und sind daher wie so oft eher unproduktiv. Wer aber weiß, welche negativen Seiten Sexting mit sich bringen kann, wird anders an die Sache herangehen.

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