Wie viel Pause zwischen zwei Beziehungen?

Die große Liebe ist vorbei, einer oder beide haben sich getrennt, einvernehmlich, im Streit, irgendwie nebenbei oder aus heiterem Himmel. Für nicht wenige bricht eine Welt zusammen, an eine neue Beziehung wollen sie garantiert die nächsten Wochen und Monate nicht denken. Andere gehen sofort eine neue Beziehung ein, weil diese im Prinzip schon neben der alten Beziehung lief. Und da sind noch die Personen, die sich in eine neue Beziehung stürzen, um sich selbst zu trösten oder Ablenkung zu suchen.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, zu kategorisieren, denn Menschen sind unterschiedlich und individuell. Vielleicht steht die neue Liebe doch schneller als gedacht vor der Tür, vielleicht braucht es aber auch eine ganze Zeit, um wieder zu sich selbst zu finden und einen neuen Weg in Sachen Beziehung einzuschlagen.

Es gibt praktisch keine bestimmte Zeitspanne für eine Pause zwischen zwei Beziehungen. Jeder macht es so, wie er sich damit am besten fühlt. Dennoch wollen wir einige Konstellationen von Trennungen und die daraus resultierenden Verhaltensweisen beleuchten und herausfinden, wann die Zeit für eine neue Beziehung wieder reif sein kann.

Wenn Schluss ist, leidet der Verlassene meist mehr und braucht länger

Einer der Partner hat sich dazu entschlossen, die Beziehung zu beenden. Das bedeutet, dass er sich meist schon länger damit beschäftigt und der Verarbeitungsprozess bereits in vollem Gange ist. Anders sieht das bei dem aus, der an der Beziehung festhält und das Aus nur schwer begreifen kann. Die Gedanken hängen noch am Ex, mitunter sind Rachegelüste im Spiel, auch das Wiedergewinnen des Ex-Partners steht für einige auf der Agenda. Das alles braucht Zeit, ebenso wie das Begreifen der Tatsache, dass es endgültig vorbei ist. Dieser Prozess geht gerade bei langjährigen Beziehungen nicht innerhalb weniger Wochen vonstatten, es braucht eher Monate oder vielleicht Jahre.

Je nach Qualität und Dominanz in der Beziehung muss sich der Verlassene ein neues, eigenständiges Leben aufbauen und das ist nicht einfach. Vormals abhängige und wenig selbstständige Personen können auch dazu neigen, sich nur einen neuen Partner zu suchen, um sich wieder in Abhängigkeit zu begeben, weil sie ein selbstständiges Leben nicht gelernt haben oder leben wollen.

Aber auch das Gegenteil kann beim Verlassenen der Fall sein: Er oder sie stürzt sich in Beziehungen, die meist nur von kurzer Dauer sind, um Trost und Ablenkung oder vielleicht einen Klon des Expartners zu finden. Das hat nichts mit echten Gefühlen oder echten Liebesbeziehungen zu tun, sondern ist eher wie eine Art Trotzphase, die gelebt werden will.

Experten raten dazu, erst den eigenen Trennungsschmerz zu überwinden, sich selbst wieder neu zu finden und die eigene Persönlichkeit unabhängig von einem Partner zu definieren, bevor an eine ernsthafte, neue Beziehung gedacht wird. Wie lange das dauert, ist aber völlig offen. Es kann natürlich auch sein, dass die neue Liebe von einem auf den anderen Tag ins Leben tritt, denn unverhofft kommt oft. Dann ist es ein anderes, befreiendes Gefühl, der ehemalige Partner spielt keine Rolle mehr, wenn echte Gefühle im Spiel sind.

Wer die Beziehung beendet, hat einen Vorteil im Loslassen und Neuanfangen

Wer Schluss macht, ist klar im Vorteil, denn so ein Entschluss ist meist lange gereift, bevor er spruchreif wurde. Die Gründe sind dabei so verschieden wie die Menschen. Es muss nicht immer eine andere Person oder eine neue Liebe dahinterstecken. Oft ist es auch ganz banal nur der schnöde Alltag, der die Beziehung kaputtgemacht hat oder es gab Differenzen, die nicht zu überbrücken waren.

Rein theoretisch sind die „Schlussmacher“ im Vorteil, denn sie können leichter loslassen, weil sie schon ein gutes Stück weit abgeschlossen haben. Das bedeutet aber nicht, dass sie direkt wieder frei für eine neue Beziehung sind. Viele möchten erstmal ihr neu gewonnenes Singleleben mit allen Vorteilen genießen und streben vorerst keine neue Beziehung an. Sie wollen vielleicht eine große Reise machen, endlich ein neues Hobby beginnen oder die Zeit mit guten Freunden verbringen, ohne Verpflichtungen. Auch hier kann es passieren, dass eine neue Liebe die Vorsätze verdrängt, dann ist halt so. Loslassen und zulassen.

Wie viel Zeit zwischen zwei Beziehungen sollte vergehen?

Eine neue Liebe hat die alte verdrängt – nahtloser Übergang in die neue Beziehung

Wenn ein Partner sich trotz bestehender Beziehung neu verliebt und die „alte“ Beziehung beendet, ist die Frage, wie lange Pause zwischen zwei Beziehungen liegen sollte, schon geklärt: Es gibt einen nahtlosen Übergang. Diese Fälle sind gar nicht so selten, denn die neue Liebe ist einer der häufigsten Trennungsgründe überhaupt. Für den, der geht, existieren Abschiedsschmerz und Verarbeitungsbedarf in der Regel nicht, denn er hat schon lange vorher damit abgeschlossen. Erstaunlich häufig zeigt sich dieses Phänomen bei Ehepartnern. Wenn sie sich trennen, lebt der andere meist schon in einer neuen Beziehung, auch kann bereits Nachwuchs in der neuen Beziehung unterwegs sein.

Einvernehmliche Trennungen: Sind die Partner schneller für eine neue Beziehung bereit?

Jein – In wie fern Trennungen einvernehmlich sind, lässt sich nie hundertprozentig sagen. Nicht selten gibt einer nach, weil die Chancen auf einen Neuanfang einfach zu schlecht stehen. Wirklich einvernehmliche Trennungen sind ein Idealfall, der jedoch nicht damit gleichzusetzen ist, dass beide Partner das Ereignis gleich verarbeiten. Der eine lässt sich vielleicht nach zwei Monaten wieder auf eine neue Beziehung ein, der andere wartet fünf Jahre. Meist fallen aber die langwierigen Verarbeitungsprozesse weg, die Beteiligten können schneller mit der Trennung abschließen.

Die Lebensumstände, in der eine Trennung geschieht, sind von Bedeutung

Beziehungscoaches raten dazu, eine Beziehung nicht unbedingt dann zu beenden, wenn einer der Partner sich in einer schwierigen Lebenssituation befindet. Das können z.B. ein Trauerfall oder ein Jobwechsel oder auch eine schwere Krankheit, die den Partner betrifft, sein. In solch einer Situation wird das Ende einer Beziehung noch schmerzhafter empfunden, als es ohnehin schon ist. Betroffene haben dann länger als üblich an der Sache zu knabbern, mitunter geraten sie sogar ganz aus der Bahn und verlieren jeglichen Halt. Doch nicht jeder will abwarten, bis Krisen oder belastende Situationen überwunden sind, um den Schlussstrich zu ziehen. In diesen Fällen hat es der Verlassene besonders schwer und braucht länger, um zusätzlich noch über das Ende der Beziehung hinwegzukommen. Oftmals bedeutet das sogar einen großen Vertrauensverlust für den Verlassenen, der sich einer neuen Beziehung nicht mehr so leicht öffnen kann. Das Beziehungsaus vermischt sich mit den anderen Problemen und erhöht das Stresspotential. Betroffene sollten sich dann fachliche Hilfe, z.B. bei einem Psychologen, suchen.

Weg von Klischees und Vorurteilen

In Foren bekannter Single- und Partnerbörsen ist immer wieder zu lesen, dass Singles, die erst seit kurzer Zeit, z.B. seit wenigen Monaten oder einem halben Jahr getrennt sind, mit Klischees wie „Der/Die kann es doch gar nicht ernst meinen, ist noch nicht über den Expartner hinweg und kann nicht alleine sein“ konfrontiert werden. Um das herauszufinden, muss man sich kennenlernen und sich selbst ein Bild machen. Jeder verarbeitet Trennungen anders, es gibt kein Pauschalrezept, genauswenig wie fest definierte Zeitspannen. Die Perspektive, von der aus eine Trennung betrachtet wird, kann sehr  unterschiedlich sein. Der Verlassene geht damit anders um, als der, der die Beziehung beendet hat.

Ehrlich zu sich selbst sein: Ist die Zeit wirklich reif für eine neue Beziehung?

Um sich nicht überstürzt in eine neue Beziehung zu stürzen, sollte man ehrlich zu sich selbst sein und reflektieren. Beherrscht der Expartner noch die Gedanken, ganz gleich in welcher Weise, ist das ein Zeichen dafür, dass es noch keinen Abschluss mit der Sache gibt. Auch die Trennungsgründe sind genauer zu betrachten. Gilt es vielleicht, in der nächsten Beziehung bestimmte Fehler oder Verhaltensweisen zu vermeiden? Wie zufriedenstellend ist das eigene Leben, unabhängig von einem Partner? Steht man auf eigenen Beinen oder gerät man vielleicht immer wieder in eine Abhängigkeitsrolle, in der ein anderer bestimmt?

Neben diesen Fragen, die beantwortet sein müssen, spielen auch Faktoren wie Dauer und Intensität der Beziehung eine Rolle. Vielleicht war es eben doch nicht der richtige Partner, dann ist es gut, dass die Beziehung ein Ende gefunden hat.

Wer mit sich selbst im Reinen ist und bei den Gedanken an den Expartner weder Groll, noch Hass oder Rache, sondern eigentlich nichts Besonderes mehr empfindet, der wird sich auch einer neuen Beziehung wieder öffnen. Bis dahin kann es ein langer oder kürzerer Weg sein, der nicht in einer definierten Zeitspanne beschritten werden muss.

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