TV-Dating-Show: Hochzeit auf den ersten Blick

Liebe auf den ersten Blick soll es ja bekanntlich geben. Es ist auch gar nicht ungewöhnlich, wenn diese dann schnell in einer Hochzeit mündet, wenn beide Partner das wünschen. Ungewöhnlich hingegen zeigt sich das Konzept der Dating-Show „Hochzeit auf den ersten Blick“ des Privatsenders SAT. 1. Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt, denn die Kandidaten heiraten zuerst, ohne sich vorher jemals getroffen, geschweige denn kennengelernt zu haben und finden dann heraus, ob sich ein gemeinsames Leben und die Liebe ergibt.

2014 startete die Dating-Show mit der ersten Staffel, Ende 2017/Anfang 2018 flimmerte die vierte Staffel über den Bildschirm. Jede Staffel umfasst sechs Folgen, dazu gibt es das eine oder andere Special.

Hinter der Sendung steht die Red Arrow Studio International, als Tochter der ProSiebenSat1 Media Group, die mit 17 Unternehmen in 9 Ländern vertreten ist, welche für den internationalen Markt TV-Formate entwickeln, darunter die dänische und deutsche Version von Hochzeit auf den ersten Blick und das amerikanische Pendant Married at First Sight, das in Deutschland auch auf SIXX zu sehen ist.

Das Konzept und die Kandidaten von Hochzeit auf den ersten Blick

Vier Single-Frauen und vier Single-Männer treffen sich das erste Mal vor dem Standesamt und heiraten sofort. Erst dann folgt die Kennenlernphase, die sich aus den gemeinsamen Flitterwochen und dem Alltagsleben zusammensetzt. Nach zwei Monaten soll dann die Entscheidung fallen, ob das Paar verheiratet bleibt oder sich scheiden lässt. In der vierten Staffel waren insgesamt fünf Paare am Start.

Das Auswahlverfahren der Bewerber gestaltet sich in mehreren Stufen und unterscheidet sich deutlich von anderen Single-Shows. Zunächst wird ein Bewerbungsbogen online auf der  Internetseite des Senders ausgefüllt, bei dem es besonders auf die eigene Geschichte des Kandidaten ankommt. Ist diese ausgefallen, kurios, schicksalhaft, stehen die Chancen auf eine Einladung höher, da der Unterhaltungswert größer ist. Es folgen Vorrundengespräche und Persönlichkeitstests. Der Sender weist ausdrücklich darauf hin, dass nur Kandidaten, die psychisch gesund und emotional stabil sind, für die Bewerbung in Frage kommen.

Während sich die Teilnehmer der meisten anderen Dating-Formate im TV ihren etwaigen Traumpartner noch mehr oder weniger selbst aussuchen können, ist das bei Hochzeit auf den ersten Blick nicht der Fall. Das übernimmt ein Team aus Psychologen und spezialisierten Therapeuten (z. B. Innenarchitektur), mitunter sind auch Heilpraktiker oder Theologen dabei. Zusammengestellt werden die Paare nach den Auswertungen der wissenschaftlichen Tests und Erkenntnisse, die zeigen, welche Singles sehr gut zueinander passen. Dieses „Matching“-Prinzip wenden auch Online-Partnervermittlungen bevorzugt an.

In erster Linie ist das Ganze ein Experiment, ob Mann und Frau „Liebe lernen können“ und ob Liebe und Zuneigung fernab von den heutigen Standards wie Aussehen, beruflicher und privater Status funktionieren kann. Da die Ehe etwas Bindendes und Verbindliches ist, wird diese Form der ersten Zusammenführung gewählt, um der Sache einen ernsthaften und nachdrücklichen Charakter zu verleihen.

Während der Kennenlernphase treffen sich die verheirateten Singles regelmäßig in Abständen alleine mit dem Therapeutenteam, um Probleme oder Wünsche zu diskutieren oder, um Rat und Hilfe einzuholen. Dabei erfahren sie zudem, welche wissenschaftlich basierten Kriterien zur Auswahl des Partners geführt haben und wie die eigene Persönlichkeit analysiert wurde. Je nach Situationen sind auch gemeinsame Treffen mit den Therapeuten möglich.

Das Alter der teilnehmenden Singles ist nach oben hin offen, wobei die Kandidaten der vergangenen Staffeln in den Altersgruppen der 25- bis 50-Jährigen zu finden waren. Das Format ist nicht unumstritten, weil nicht wenige Kandidaten darin auch einen großen Bluff sehen und sich vorgeführt vorkommen, da ihre Partner so überhaupt nicht zu ihnen passen. So wurden Stimmen laut, das hier nicht nach wissenschaftlichen psychologischen Kriterien, sondern nach Unterhaltungswert ausgesucht wird. Denn für den Zuschauer ist es nun mal wesentlich spannender, wenn zwischen den Ehepaaren kein Eitel Sonnenschein und Liebesglück herrscht, sondern eher die Fetze fliegen.

Die Erfolgsquote an Paaren, die tatsächlich zusammengeblieben sind, zeigt sich mager. Gerade mal drei Paare haben es nach vier Staffeln geschafft. Die Sendung ist aber auch für Überraschungen gut – nämlich dann, wenn sich Kandidaten, die gar nicht wissenschaftlich füreinander bestimmt sind, ineinander verlieben, völlig freiwillig vor den Traualtar treten und sogar Nachwuchs bekommen.

Zuschauergruppe und Einschaltquoten Hochzeit auf den ersten Blick

Die Zuschauerzielgruppe des Senders liegt bei den 14- bis 49-Jährigen. Doch auch darüber hinaus besteht ein Zuschauerinteresse, wie die Quoten zeigen. In der vierten Staffel lag der Marktanteil bei etwas über 16% in der Zielgruppe. Selbst die erste Staffel reichte mit 13,3 % an diesen Wert noch nicht ran. In der zweiten und dritten Staffel betrugen die Marktanteile 10,8 und 11,9 %.

Über das Zuschauerverhältnis Mann/Frau gibt es zwar keine Aussagen, erfahrungsgemäß überragt jedoch der Frauenanteil, auch wegen der romantischen Komponente, die eine Trauung nun einmal mit sich bringt.

Bewertung, Kritik, Meinungen zu Hochzeit auf den ersten Blick

Hochzeit auf den ersten Blick hat zweifelsohne etwas Skandalträchtiges an sich. Denn eines der heiligsten Rituale der westlichen Welt – Die Hochzeit – wird hier zweckentfremdet und in einen neuen Kontext gestellt. Das erinnert an die gestifteten oder erzwungenen Ehen, wie sie noch bis weit in die 1950er Jahre auch in Deutschland zu beobachten waren. Mitunter hat sich aus so einer Verbindung tatsächlich eine Liebesbeziehung ergeben, nicht selten sind es aber reine Zweckbeziehungen mit gegenseitiger Wertschätzung (oder auch nicht) geblieben.

Fragwürdig ist das Konzept allemal, denn ein Eheversprechen ist nach unserem Verständnis verbindlich. Bei diesem Format hingegen, steht die Scheidung als mögliche Option schon gleich von Anfang an zur Debatte. Eine Vorbildfunktion hat die Sendung definitiv nicht, wie auch die Stimmen der Ex-Kandidaten zeigen. Demnach wird sehr viel für den Unterhaltungswert und weniger für die seelischen und sozialen Belastungen, die sich aus dem „Experiment“ ergeben können, getan. Auch gibt es Vorwürfe, dass beim Matching manipuliert wird, so dass Partner zusammengestellt werden, die gar nicht zueinander passen.

Liebe zu erzwingen, funktioniert nicht, auch nicht, wenn wissenschaftliche Tests dahinterstehen. Dazu ist der Mensch viel zu Eigen und gerade bei tiefergehenden Bindungen spielen oft Dinge hinein, die wir uns nicht erklären können. Der spannende und prickelnde Moment ist natürlich die Hochzeit, die allerdings hier zum Spiel ohne Grenzen wird. Es gibt wohl kaum Frauen und Männer, die nicht einmal und sei es nur zum Schein den schönsten Tag im Leben erleben möchten – mit allem Pipapo, wie man so schön sagt. Doch es ist eben kein schöner Schein und kein Spiel, sondern es ist alles echt und rechtsgültig. Daher bleibt es jedem selbst überlassen, wie er dieses Format wertet. Unterhaltsam ist Hochzeit auf den ersten Blick allemal.

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