Valentinstag – Pflicht für Liebende?

Am 14.  Februar ist Valentinstag – Der Tag der Liebenden und Verliebten. Immer wieder steht die Frage im Raum, ob der Valentinstag mit seinen kleinen oder größeren Aufmerksamkeiten, allen voran Blumen und Pralinen, ein Pflichtprogramm ist oder ob er nicht auch einfach unberücksichtigt bleiben kann?

So viel vor weg: Der Valentinstag ist eine rein freiwillige Angelegenheit. Und es obliegt Menschen, die sich zugetan sind, ob sie ihn aufwendig, ganz bescheiden oder gar nicht angehen.

In den 1950er Jahren kam er erstmals durch die amerikanischen Soldaten nach Deutschland und hat in den darauffolgenden Jahrzehnten mehr und mehr an Interesse gewonnen. Nicht zuletzt durch die umfangeichen Marketingstrategien von Blumenhändlern, Konditoreien, Restaurants und Eventagenturen. Der Tag der Liebenden muss schließlich gebührend gefeiert werden und die Kassen klingeln.

Schauen wir uns das Brauchtum, das seine Wurzeln im alten Rom hat und erstmals im mittelalterlichen England seine heutige Bestimmung erhielt, genauer an. Mit ein bisschen Schmunzeln findet sich auch die Antwort auf die Frage leichter.

Valentinstag

Die römischen Wurzeln des Valentinstages

Der 14. Februar wurde als Gedenktag des hl. Valentin (Valentinus) im Jahre 469 für die Kirche eingeführt, allerdings Ende der 1960er ganz aus dem römischen Kalender gestrichen. Durchgesetzt hat sich das Datum als Tag der Liebenden, der sich auf das Martyrium des hl. Valentin von Rom/Terni gründet, der sich für Liebende eingesetzt hat.

Im 3. Jahrhundert gab es den Priester Valentin von Rom wie auch den Bischof Valentin von Terni. Viele Quellen gehen davon aus, dass es sich bei diesen Männern um ein und dieselbe Person handelt, andere meinen, die Lebensläufe der beiden wurden zu einer Valentinslegende zusammengefügt. Im Folgenden wird nur von einem hl. Valentin und seiner Geschichte ausgegangen.

Besagter Valentin war für seine Eheschließungen bekannt, die alle unter einem guten Stern stehen sollten, auch schenkte er den Frischvermählten Blumen aus seinem eigenen Garten. Valentin aber ging noch weiter und traute Soldaten nach christlichem Ritual, die laut Anordnung des christenfeindlichen Kaisers Claudius II. unverheiratet bleiben mussten. Weiter setzte sich Valentin für verfolgte Christen ein und führte Heilungen durch. Der Kaiser ließ ihn wegen der fortlaufenden Widersetzungen gegen seine Anordnungen im Jahre 269 enthaupten und machte ihn damit zum Märtyrer und zur Gallionsfigur aller Liebenden. Seither gilt er als Schutzpatron der Liebenden, Verlobten und auch der Bienenzüchter.

Ebenfalls aus Rom kommt der Bezug des Valentinstages zum nahenden Frühling. Mitte Februar fanden sich die Vögel zur Paarung zusammen. Der 14. Februar galt im römischen Reich als Tag der Götting Juno, der Schutzpatronin für Ehe und Familie. Blumen spielten bei der Verehrung der Göttin eine große Rolle. Sie wurden der Göttin geopfert und den Frauen zum Dank geschenkt. Im Juno-Tempel trafen sich die jungen Mädchen und befragten das Orakel zu einem möglichen Partner. Auch die so genannten römischen Luperkalien oder das Fest der Wölfin wurden am 15. Februar gefeiert. Diese mehrtägigen Reinigungs- und Fruchtbarkeitszeremonien sollten den Frühling begrüßen, dienten aber auch der Eheschließung.

Vom alten Rom in die Neuzeit – So hat es der Valentinstag geschafft

Die Legenden um den römischen Märtyrer sind die eine Sache, die Bräuche und Geschenke rund um den Valentinstag eine andere. Im Frühmittelalter galt der 14. Februar eher als Unglückstag. Der „Velten-Tag“ ist besonders als Geburtstag des Judas Ischariot bekannt gewesen, der Jesus verraten hatte. Wer an diesem Tag geboren wurde, sollte vom Pech verfolgt sein und früh sterben. Dieser Fluch war für Mensch und Tier gleichermaßen gültig.

Im 14. Jahrhundert kamen in England und Frankreich erste romantische Strömungen in Verbindung mit dem Valentinstag auf. Als Vorreiter der poetischen Valentinsgrußkarten ist der Herzog von Orleans genannt, der seiner Frau Valentine regelmäßig Liebesbekundungen aus der Haft im London Tower sandte. Später gesellten sich zu den Karten mit zarten Versen oder Liebesbotschaften auch Blumen und Süßigkeiten. Gerade in der feinen englischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts fand man an diesen Zuneigungsbezeugungen, die durchaus anonym stattfanden, sehr großen Gefallen.

In Frankreich und England entstand ebenfalls bereits im Mittelalter der Brauch, einen Valentin und eine Valentine auszurufen, die Zeit miteinander verbringen durften und sich so vielleicht als neues Liebespaar fanden. Auch Liebesorakel hatten zum Valentinstag Hochkonjunktur, denn ledige Frauen versprachen sich davon, ihrem Traummann zu begegnen.

In England und Amerika wird der Valentinstag in der Zeitgeschichte am längsten zelebriert, während der Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg kam er dann auch nach (West) Deutschland. In Nürnberg lud man die Verliebten 1950 zum ersten offiziellen Valentinsball ein.

Die Blumenhändler sorgten für einen weiteren Popularitätsschwung, in dem sie den Tag der offenen und roten Herzen mit Blumenschmuck bewarben.

Der Valentinstag rund um den Globus

In Deutschland begehen Paare den Valentinstag entweder gemütlich zuhause mit den klassischen Blumen und Pralinen oder an einem besonderen Ort, z.B. im Romantik-Hotel oder in einem Sterne-Restaurant. Das Angebot an speziellen Events für Verliebte zeigt sich in der Erlebnisgastronomie und Hotellerie groß. Einige Kirchen in Deutschland halten an diesem Tag spezielle Messen für Paare ab und erteilen ihnen den Segen. Andere Länder kennen teilweise eigene Traditionen.

England

Die Briten haben dem Valentinstag seine unvergleichliche Romantik eingehaucht. Im 19. Jahrhundert kam das Papeterie-Geschäft mit viktorianischen Grußkarten auf. Herrliche Papierspitze und wunderschöne Blattoblaten mit dekorativen Blumen zierten die Valentinskarten, die teils sogar mit poetischen Versen für Liebende versehen waren. Diese Schmuckkarten sind auch heute noch der Renner in England, gefolgt von Blumen, Pralinen und kleinen Präsenten. Ca. 25 Millionen Valentinskarten sind am Tag der Liebe im Umlauf.

Im royalen Wales wird am 25. Januar der Dydd Santes Dwynwen begangen. Das ist der Gedenktag der walisischen Schutzpatronin der Liebenden, an dem sich Paare traditionelle, geschnitzte Holzlöffel, die berühmten „Love spoons“ schenken.

Spanien/Portugal

Spanien und Portugal begehen den Tag der Liebenden und Verliebten wie die Briten mit Valentinskarten, Süßigkeiten, kleinen Geschenken und Blumen.

USA

In den USA stehen ähnlich wie in Großbritannien Valentinskarten mit liebevollen Botschaften auf dem Programm. Anzahl und Inhalt der Karten spiegeln die Beliebtheit der Person wieder, die sie erhält. Daher ist es gerade unter Jugendlichen schon eine Art Wettbewerb, möglichst viele Valentinskarten zu bekommen. Ca. eine Milliarde Karten werden am Valentinstag verschenkt. Paare beschenken sich gegenseitig.

Schweden/Dänemark/Finnland/Estland

In Schweden hat der „Tag aller Herzen“ (Alla hjärtans dag), wie der Valentinstag dort heißt, in den 1980er Jahren erst Einzug gehalten. Weingummiherzen, rote Rosen und das romantische Dinner sind angesagt. In Dänemark werden Schneeglöckchen und Blumenherzen, Schokolade und Gebäck bevorzugt, die anonym versendet werden.

In Finnland und Estland ist der Valentinstag der Tag der Freunde. Kleine Präsente und Karten werden anonym verschickt. In Irland ist es Brauch, am Valentinstag den Schrein des hl. Valentin von Rom aufzusuchen, der dort in der Karmelitenkirche in Dublin begraben liegt. Das Gebet zu ihm soll helfen, einen Partner zu finden.

Italien

Aus Italien stammt der auch mittlerweile in Deutschland verbreitete Valentinstag-Brauch mit den Herzensschlössern. Paare kaufen sich ein Vorhängeschloss, in das ihre Initialen und ein Datum eingraviert werden und befestigen es an einem Brückengeländer. Dann wird der Schlüssel ins Wasser geworfen, wobei sich beide etwas insgeheim wünschen dürfen. Das Liebesschloss soll die ewige Verbundenheit der Herzen abbilden.

Polen

Die Kleinstadt Chelmno in Polen ist Zentrum des Valentinstages und das aus gutem Grund. Hier wird in der Pfarrkirche St. Marien ein kleiner Teil des Schädels des hl. Valentins aufbewahrt und im Kirchenschiff ausgestellt. Der 14. Februar ist ein Feiertag mit Gottesdienst, Veranstaltungen und Konzerten. Tausend rote Luftballons steigen an diesem Tag in den Himmel auf.

Brasilien

Die Brasilianer feiern den Valentinstag am 12. Juni als Tag der Liebenden bzw. Freunde „Dia dos Nomerados“ im kleinsten Kreis mit einem feinen Mahl und Geschenken. Auch in Costa Rica, Mexiko, Puerto Rico, Guatemala wird der Valentinstag unter verschiedenen Bezeichnungen als Tag der Liebe und Freundschaft meist am 14. Februar gefeiert.

Südafrika

Der Valentinstag steht in Südafrika ganz im Zeichen der bunten Blumen, mit denen die Straßen üppig geschmückt werden, um gemeinsam ausgelassen und mit Umzügen zu feiern. An diesem Tag wird bevorzugt Kleidung in Weiß und Rot getragen, als Symbol für Reinheit und Liebe.

Japan/Südkorea/China/Taiwan

In Japan ist es am Valentinstag Tradition, dass Frauen den Männern dunkle Schokolade schenken. Dabei ist es unerheblich, ob Partner, Bruder, Arbeitskollege – Hauptsache, männlichen Geschlechts. Die Menge und Qualität der Schokolade, die ein Mann erhält, ist Maßstab für seine Beliebtheit bei den Frauen. Am 14. März, dem sogenannten „White Day“ beschenken die Männer die Frauen und zwar mit weißer Schokolade in der Menge, die sie selbst von der jeweiligen Dame bekommen haben.

Auch in Südkorea erhalten Männer am 14. Februar Schokolade von den Frauen, die Männer revanchieren sich am 14. März, dem White Day ebenso mit einem Geschenk, anders in Japan ist das aber keine Schokolade. Weiterhin existiert der „Black Day“, an dem alle, die an den beiden anderen Terminen nichts erhalten haben, aus Single-Frust Nudeln mit schwarzer Soße essen.

Das Fest der Liebenden „Qixi“ ist in China mit dem Valentinstag vergleichbar. Gefeiert wird am 7. Tag des 7. Monats nach dem Mondkalender, wenn der Stern des Kuhhirten und der Stern der Weberin die Milchstraße überwinden.

In Taiwan werden der Valentinstag und der White Day gefeiert, wobei die Männer den Frauen am Valentinstag Geschenke überreichen und die Frauen es am White Day den Männern gleich tun. Auch das Qixi-Fest hat in Taiwan Tradition.

Libanon

Da der heilige Valentin der Schutzpatron großer Teile der libanesischen Bevölkerung ist, wird der Valentinstag im Libanon natürlich richtig gefeiert, wenn auch je nach Region unterschiedlich. In Beirut laden die Männer die Frauen zum Abendessen ein und beschenken sie. Besonders gerne werden an diesem Tag Heiratsanträge von den Männern gemacht. Die Familie und das gemeinsame Beisammensein stehen in Sidon an erster Stelle.

Der Valentinstag als Chance auf eine liebevolle Auszeit

Der Alltag ist für die wenigsten Paare stets rosarot und der Himmel hängt eher selten voller Geigen. Darum ist der 14. Februar ein Feiertag für Verliebte, für Paare, Eheleute und alle anderen, die sich mögen. Auch, wenn es leider noch kein arbeitsfrei gibt, so kann das Datum zum Anlass genommen werden, endlich mal wieder etwas für die Zweisamkeit zu tun und das vielleicht nicht nur mit einem Blumenstrauß und ein paar Pralinen aus dem Supermarkt, sondern mit einer gemeinsam geplanten Auszeit oder Aktivität. Das können eine Kurzreise, ein Kreativerlebnis, eine spektakuläre Übernachtung, ein gemeinsames sportliches Highlight oder ein Mitternachtspicknick auf dem Balkon sein (ja auch im Winter!). Die Möglichkeiten sind groß und nicht alleine auf die typischen Arrangements zum Valentinstag beschränkt.

Keine Lust auf Valentinstag? Liebe lässt sich an 365 Tagen im Jahr zeigen

Nur weil es den Valentinstag gibt und er schon Anfang Februar kräftig beworben wird, muss man ihn noch lange nicht mitmachen. Wer mag der mag, wer nicht will, der findet andere Wege und Tage, um sich mit einer Aufmerksamkeit bei Partnern oder lieben Menschen zu bedanken bzw. Zuneigung und Wertschätzung zu zeigen.

Es kommt auch nicht auf gekaufte Geschenke wie Blumen, Pralinen, etc. an, denn die sind nur Beiwerk.

Ein schönes handgeschriebenes Gedicht oder ein persönlicher (Liebes) Brief erfüllen den Brauchtumszweck vollends und das an jedem beliebigen Tag im Jahr und so oft es einem danach ist. Besonders, wenn sie auf außergewöhnliche Art und Weise präsentiert werden, z.B. in Stein gemeißelt, auf ein großes Banner gemalt, als Kuchendekoration. Oder wie wäre es damit, dem anderen einen Herzenswunsch zu erfüllen, der auch selbst Freude macht? Das funktioniert sowieso dann am besten, wenn die Partner gemeinsam Zeit haben. Und da der Valentinstag nur selten auf einen arbeitsfreien Sonntag fällt, lassen sich gemeinsame Events besser im Urlaub planen.

Ein schlechtes Gewissen sollte niemand haben, wenn er den Tag vergisst. Es gibt keinen Anspruch auf Blumen, Süßigkeiten, Liebesbeweise am 14. Februar. Genauso wie manche Menschen keinen Fasching mögen oder keinen Wert auf Osterbräuche legen. Jeder, so wie er mag, denn gerade Liebe kennt ja bekanntlich keine Zwänge und Termine.

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