Das Kamasutra und die Liebe

Mit dem Kamasutra, dem wohl berühmtesten Lehrwerk der Erotik, verbinden die meisten die außergewöhnlichen, teils akrobatischen Stellungen für das Liebesspiel. Die indische Liebeslehre wird auch als Orgasmus- oder Sexbibel bezeichnet. In der Tat können sich Paare hier Anregungen für das abwechslungsreiche Liebesleben holen, wobei es nicht darum geht, die Beschreibungen der Positionen beim Geschlechtsverkehr eins zu eins umzusetzen, sondern vielmehr darum, die Lust zu genießen.

Herkunft und Bedeutung des Kamasutra

Der Begriff Kamasutra setzt sich aus den indischen Worten Kama für Verlangen und Sutra für Verse zusammen und lässt sich mit „Verse des Verlangens“ übersetzen.

Das umfangreiche Buch soll in der Zeit zwischen 200 und 300 n. Chr. entstanden sein. Als Verfasser gilt Vatsyana Mallanaga, der in Indien am Fluß Ganges lebte, über den jedoch nicht viel bekannt ist. Mallanga bediente sich für sein Werk auch der Texte von Gelehrten zu verschiedenen spezifischen Themen und wird daher nicht als alleiniger Autor angesehen.

Abbildungen des KamasutraDas Kamasutra versteht sich als Leitfaden für Erotik und Liebe. Die europäische Verbreitung des Kamasatrua begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Bearbeitung und Übersetzung des Werkes durch die britischen Orientalisten Sir Richard Francis Burton und Forster Fitzgerald Arbuthnot in Zusammenarbeit mit indischen Gelehrten. Die erste vollständige deutsche Übersetzung wurde 1987 von Richard Schmitt veröffentlicht. Eine weitere Übersetzung aus dem Sankrit in die deutsche Sprache erschien im gleichen Jahr in der DDR.

2002 wurde eine kommentierte und umfassende Neuübersetzung durch Wendy Doniger und Sudhier Kakar vorgenommen, die zunächst in England erschienen ist und dann von Robin Cackett ins Deutsche übersetzt wurde. Diese Ausgabe erschien erstmals 2004 im Wagenbach-Verlag Berlin.

Inzwischen finden sich zahlreiche (und auch freier übersetzte) Ausgaben des Kamasutra von verschiedenen Autoren in gedruckter und digitaler Form auf dem Markt, wobei die deutsche Übersetzung der britischen Version von Doniger/Kakar zu einem der besten Exemplare zählt. Das Werk enthält alle sieben Bücher des Kamasutra, die ebenso umfangreichen Kommentare von Yashodhara zum Original sowie Bildtafeln aus dem 17. Jahrhundert.

Selbstverständnis: Anleitung für Liebe, Erotik, Lust und Leidenschaft

Auf Kamasutra basierender Würfel eines LiebesspielsDas Kamasutra versteht sich als Anleitung für Liebe, Erotik, Lust und Leidenschaft und gibt Einblicke in die indische Liebeskultur. Es ist weit mehr, als nur eine Sammlung von Sexualpraktiken oder ein kurioser Sexführer. Das Verhältnis von Männern und Frauen wird genauer betrachtet, verschiedene Beziehungskonstellationen aufgezeigt. Die traditionelle Version verknüpft die sexuelle Leidenschaft und Erfüllung auch mit dem Erreichen von Lebenszielen. Das originale Kamasutra spiegelt gleichermaßen die Sitten und Anstandsvorgaben einer uns eher fremden Kultur im 3. Jahrhundert wieder und ist dabei für die heutigen Verhältnisse erstaunlich modern und offen. Im Buch wird auch die Beschneidung der Frau verurteilt. Die Sprache im Kamasutra bleibt eher sachlich, teils wissenschaftlich, auch in den Anleitungen für die besonderen Stellungen beim Liebesspiel. Die Bilder hingegen sprechen ihre eigene, äußert reizvolle Sprache.

Die sieben Bücher des Kamasutra

Das Kamasutra ist in sieben Bücher gegliedert:

  • Erstes Buch – Allgemeiner Teil
    Dieses Buch, das fünf Kapiteln umfasst, gibt eine Übersicht, zeigt die Erreichung der Lebensziele und das Wissen auf, beschreibt das Leben der Elegants und analysiert den Begriff der Freunde.
  • Zweites Buch – Über den Liebesgenuß
    In diesem Buch werden die Arten der Liebe dargestellt. Von Umarmungen über die Vielfalt des Küssens und Regeln für das Beißen mit den Zähnen, enthalten die insgesamt 10 Kapitel Anleitungen für Stellungen beim Geschlechtsverkehr und besondere Vereinigungen. Auch Schläge, Rollentausch und Oralverkehr sind Bestandteil dieses Buches, das wesentlich zum Bekanntheitsgrad des Kamasutras beigetragen hat.
  • Drittes Buch – Über den Verkehr mit Mädchen
    In fünf Kapiteln spielt das Werben um die junge Frau die Hauptrolle. Das abschließende Kapitel behandelt die Hochzeitsfeier.
  • Viertes Buch – Über die verheirateten Frauen
    Das Buch gibt besondere Einblicke in die ehelichen Beziehungen zwischen Mann und Frau und wie das Benehmen der Frauen entsprechend ihrem Status – einzige Gattin, älteste Gatting, jüngste Gattin, wiederverheiratete Witwe – auszusehen hatte. In den zwei Kapiteln werden auch die Themen Leben im Harem und der Umgang des Mannes mit mehreren Frauen behandelt.
  • Fünftes Buch: Über die fremden Frauen
    Sechs Kapitel beschäftigten sich mit der charakterlichen Darstellung von Männern und Frauen, zeigen auf, wie der Mann eine Frau zum Seitensprung gewinnen kann – vom Kennenlernen bis zum Liebesleben der untreuen Männer – und stellen das Treiben der Frauen in einem Harem dar.
  • Sechstes Buch – Über die Hetären
    Als Hetären wurden im Altertum Prostituierte bezeichnet. Dieser Begriff grenzt sich bewusst vom eher abfälligen Wort Huren ab, da die Hetären keineswegs eine Randgruppe darstellten, sondern in die Gesellschaft integriert waren. Das sechste Buch behandelt in sechs Kapiteln die Rolle der Hetären, die finanziellen Aspekte einer solchen Verbindung und gibt Anleitungen für die Hingabe an den „Freier“.
  • Siebtes Buch – Die Upanisad
    Im siebten Buch geht es in zwei Kapiteln um die Geheimlehre, die Tipps zur  Wiederbelebung der erloschenen Leidenschaft, Mittel und Maßnahmen zur gesteigerten Erektion von Männern und Frauen sowie besondere Praktiken enthält.

Das Liebesleben mit Kamasutra aufpeppen

Das Kamasutra ist vor allen Dingen aufgrund seiner „besonderen“ Stellungen für das Liebesspiel bekannt geworden.

Für Paare kann das Kamasutra, sofern man sich spielerisch und ohne den Druck, ausgewählte Stellungen akribisch perfekt auszuführen, daran wagt, Bereicherung, Abwechslung, Spaß und neue Erfahrungen bringen. Ausprobieren geht hier über Studieren, Sex in vielen Facetten ist garantiert. Man sollte die Sache mit Humor angehen und gemeinsam darüber lachen, wenn es mal nicht so funktioniert. Zudem sollte jeder die Freiheit nutzen, „problematische“ Varianten abzuwandeln, so dass dennoch ein Lustgewinn entsteht.

Wer sich die Mühe macht, das Kamasutra komplett zu lesen, was meist nur die wenigsten tun, der findet auch jede Menge Unterhaltsames und Kurioses. So z.B. die drei Lektionen der Liebe und Ratschläge, mit welchen Mitteln der Mann eine Frau dazu bringen kann, ausschließlich mit ihm Sex zu haben.

„Tierisches“ Sexvergnügen : die Kamasutra Stellungen

Einige Stellungen des KamasutraDie enorme Anzahl von Sexstellungen (von denen niemand so genau weiß, wie viele es nun wirklich sind: 64, 400 oder mehr) ermöglicht die Entdeckung von ungeahnten Lustpunkten und neuen Erfahrungen. Von den leichten Einsteiger-Varianten bis hin zu den anspruchsvollen Positionen. Wer mit den nüchternen und detaillierten Texten nur wenig anfangen kann, orientiert sich an den Abbildungen, welche schon beim Ansehen die Lust steigern. Noch einfacher ist es mit einen Kamasutra-Video.

Das tierische Sexvergnügen bezieht sich nicht nur auf den großen Spaß, sondern auch auf die Namen der Stellungen wie z.B. Affe, Elefant, Ente, Frosch, Schmetterling oder „den Pfau füttern“. Doch auch Balanceakt, Beinstrecker, Brücke, Klammergriff, Triumphbogen oder Zange versprechen bei etwas Gelenkigkeit der Beteiligten aufregende Lustmomente. Hier einige der genannten Beispiele im Detail:

  • Affe
    Der Mann liegt auf dem Rücken, zieht die Beine an seinen Oberkörper heran und winkelt sie an. Die Frau setzt sich nun rücklings in seinen Schoß und lässt den Mann eindringen. Die Frau kann Rhythmus und Tempo bei dieser Stellung bestimmen.
  • Frosch
    Der Mann sitzt auf der Bettkante, die Beine geöffnet, seine Füße berühren den Boden. Die Frau setzt sich rücklings auf ihn und lässt seinen Penis eindringen. Der Mann kann nun Becken und Po der Frau umfassen und die Bewegungen lenken. Sie wiederum kann sich mit den Händen auf seinen Oberschenkeln abstützen und somit die Intensität und das Tempo bestimmen.
  • Brücke
    Diese Stellung verlangt etwas Ausdauer vom Mann. Die Gymnastikübung der Brücke kennen die meisten. Der Mann beugt sich aus dem Stand nach hinten und stützt die Hände hinter dem Kopf ab, so dass sein Körper eine „Brücke“ bildet. Die Frau setzt sich auf den Mann, stützt sich seitlich mit den Füßen am Boden ab, um das Gewicht abzufedern und führt sein Glied ein. Sie kann nun ihr Becken sanft hin- und her bewegen, um die Lust zu steuern.
  • Klammergriff
    Mann und Frau liegen beide seitlich zueinander, jedoch so, dass der Kopf der Frau zu den Füßen des Mannes zeigt. Die Frau umklammert das Becken des Mannes mit ihren Beinen. Der Mann umfasst ihren Po und dringt in sie ein.

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