Pheromon-Party

Klingt eigentlich ganz sexy – Pheromon-Party. Lustig ist es auf jeden Fall und wer nicht gerade verschnupft ist, der darf auf diesem Single-Event an zahlreichen T-Shirts schnuppern, denn Liebe geht nicht nur durch den Magen, sondern auch durch die Nase. Hier dreht sich alles um die besonderen Boten- und Lockstoffe, die in zwischenmenschlichen Beziehungen tagtäglich eine große Rolle spielen.

Pheromone – Botenstoffe mit Anziehungskraft

Wie sagen wir oft so treffend: „Den oder die kann ich aber gar nicht riechen“. Gemeint ist damit nicht unbedingt der direkte Körpergeruch oder ein aufdringliches Parfum, vielmehr sind es die höchst individuellen Duftstoffe, die vom anderen ausgehen und die geradezu magische Kräfte haben. Sie können anziehend und erregend sein, aber auch eine gegenteilige Wirkung  haben. In jedem Fall lösen Sie beim Gegenüber eine sehr spezifische Reaktion aus.

Diese besonderen Hormone haben eine Art Schlüsselfunktion. Das kann man sich ganz leicht bildlich vorstellen: Wenn zwei sich noch unbekannte völlig fremde Menschen gegenüberstehen, sondern beide körpereigene Duftstoffe ab, die mehr unbewusst als bewusst wahrgenommen werden. Diese Pheromone können wir uns auch als kleine ausgesandte Schlüssel vorstellen, die versuchen, beim anderen anzudocken. Entweder sie finden kein Schlüsselloch und prallen sozusagen ab oder aber sie finden ein Schloss, in das sie sich hineinplatzieren und dort eine Schlüsselreaktion auslösen. Das kann Begeisterung, mentale oder sexuelle Anziehung, Erregung, Distanzierung, Ablehnung, Egalität sein. Wenn wir einen Menschen sympathisch finden, dann haben die Pheromone einen positiven Schlüsselreiz ausgelöst.

Pheromon-Partys – am T-Shirt schnüffeln, bis es „zoom“ macht

Ja, wer denkt sich sowas bloß aus? Uns schwant es schon: Die Amerikaner haben´s erfunden oder entdeckt, wie kann es bei so einem schrägen Datingtrend auch anders sein. In den USA feierten Singles erstmals 2010 eine Pheromon-Party, imitiert von der Kalifornierin Judith Prays. In Europa sowie in Deutschland ist der Dating-Trend mittlerweile auch angekommen, aber er ist wohl nicht gekommen, um zu bleiben, wie die Resonanz und die Akzeptanz zeigen.

Und nun zu den Party-Details: Bevor die eigentliche Pheromon-Party steigt, ist Vorarbeit angesagt. Die Teilnehmer, die sich über eine Event-Agentur oder auf einer Online-Plattform anmelden, müssen drei aufeinanderfolgende Nächte vor dem Partytermin ein und dasselbe T-Shirt aus Baumwolle tragen, das allerdings vor der ersten Tragenacht gewaschen sein sollte. Parfum direkt auf das Shirt aufzubringen, ist tabu. Es kann aber durchaus auf die Haut aufgetragen werden, da Pheromone und Parfum eine sehr persönliche Verbindung eingehen.

Morgens wird das Shirt in einen sauberen und verschließbaren Plastikbeutel gesteckt und im Kühlschrank aufbewahrt, damit die Pheromone auch konserviert bleiben. Mit dem getragen T-Shirt im Plastikbeutel geht es dann ab zur Party, jede Tüte erhält eine Nummer, die auf rosa oder blauen Etiketten (für Weiblein und Männlein wie bei den Babys) notiert ist und landet auf einem großen Tisch. Jetzt fällt der Startschuss zum großen Schnüffeln. Jeder Teilnehmer greift sich eine Tüte, öffnet sie und schnuppert nach den Pheromonen, die große Liebe versprechen.

Was einem da so entgegenkommt, kann sehr unterschiedlich sein und wahrscheinlich ist es genau dieses Überraschungsmoment, auf den die meisten Teilnehmer doch lieber verzichten. Der definitive Mix aus allen möglichen Geruchskomponenten kann einen schon erschlagen und nach wenigen Tüten ist dann Schluss.

Findet Mann oder Frau doch ein T-Shirt, das der eigenen Nase gefällt, lassen sich die Singles mit der Tüte fotografieren. Die Bilder werden später auf einer großen Leinwand gezeigt und der T-Shirt-Besitzer kann sich melden, wenn er seine Nummer mit einer interessanten Person entdeckt.

Niedrige Resonanz, sporadische Angebote und warum das mit den Pheromonen nicht ganz so einfach ist

Pheromon-Partys sind in Deutschland eher die Ausnahme und wenn, dann finden sie in Großstädten statt, in denen die Veranstalter auch mit einer gewissen Teilnehmerzahl rechnen können. Diese ist zwar nicht explizit nach oben oder unten begrenzt, aber der organisatorische und personelle Aufwand soll sich schließlich bezahlt machen.

Die erste Pheromon-Party in Berlin floppte und auch sonst bleibt es vielfach bei einer einmaligen Angelegenheit. Die individuellen Geruchsstoffe fremder T-Shirts aufzunehmen, das ist nicht jedermanns Sache, Überwindung gehört auch dazu, denn schließlich können einen nicht nur angenehme Gerüche erwarten. Pheromone nisten sich zudem nicht einfach so neben hundert anderen Duftstoffen aus dem Alltag im T-Shirt ein, vielmehr werden sie situationsbedingt und genau in dem Moment, wenn wir einer Person gegenübertreten ausgeschüttet. Daher ist die Aussagekraft von Pheromonen, die sich nicht explizit an das Gegenüber wenden, fraglich. In diesem Punkt hat dann doch ein Speed Dating weitaus mehr Potential.

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