Shoppen – ein grandioses Filmwerk zum Thema Speed-Dating

Filme zum Thema Singles und Dating auf den Punkt gebracht – heute: Shoppen! Filmkritiken und Filmbewertungen gibt es viele,  manche, die einen Film analysieren, haben ihn nicht einmal komplett gesehen. Bei uns ist das anders. Hier schreiben Menschen und Singles wie Du und Ich über Filme, die sie gesehen haben und die sie auf besondere Art und Weise begeistern konnten. Aber nicht über irgendwelche Filme, sondern über Filme, die sich mit Themen wie Singledasein, Single-Dating, Singlebörsen beschäftigen und die auch mal eine völlig neue und andere Sicht auf die Dinge werfen können.

Der „Singlefilm“ Shoppen

Starten wir also mit einem Film, den die Autorin dieses Beitrages vor kurzem und eigentlich eher zufällig gesehen hat. Es war an einem Wochentag-Abend, schon ziemlich spät, davor lief wohl ein Krimi. Jedenfalls konnte sie sich nicht entscheiden, ob sie ins Bett gehen sollte und ließ den Fernseher einfach mal munter weiter laufen mit dem gleichen Programm. Ein Filmtitel wurde zu Beginn nicht eingeblendet, es erschien ein geschniegelter und gelackter Typ auf der Bildfläche, der vor einem Spiegel Flirtsprüche und Mimik übte. Nacheinander folgten wie willkürlich und unzusammenhängend Szenen mit immer wieder anderen Menschen in zwischenmenschlichen Beziehungen oder im Dialog mit anderen über Liebe, Sex und Partnersuche. Allerdings war hier noch nicht zu erahnen, worum es wirklich ging, und ob der Film überhaupt eine Handlung hatte. Genau das faszinierte und gefühlte 30 Minuten später kam dann die große Überraschung, die mit einem Schlag die vorherigen Szenen erklärte:

Die bis dahin gezeigten Protagonisten fanden sich alle in einer sterilen Turnhalle wieder, mit zwei Stuhlreihen a neun Stühlen und einem Timewächter an einem Pult mit einer Stoppuhr – Aha, Speeddating!

Nun wurde es spannend, die Kandidaten so unterschiedlich wie Tag und Nacht, schüchtern, extro- und introvertiert, auf der Suche nach Abenteuer, Sex, Lebenspartner, Ernährer und Erzeuger, mit ihren ureigenen Vorstellungen, Schwächen, Macken und was sonst noch alles so im Gespräch auf den Tisch kommen kann. Extreme und Klischees wurden bedient und doch war alles auch wieder so realistisch, so knallhart und eigentlich nur wenig romantisch. Sympathien für die eine oder andere Person kamen nicht unbedingt auf, aber das war auch nicht Sinn der Sache, eher konnte sich der Zuschauer mit seinen eigenen Erfahrungen oder Erwartungen widerfinden und die Angelegenheit Speeddating mal von außen betrachten.

Der Film trägt den Titel „Shoppen“ – und hier geht es auch um das Shoppen von Singles bei einem Speeddating: Marktwert checken, analysieren, vergleichen und am Ende auswerten und entscheiden – Fehlkauf oder Schnäppchen oder sogar Megadeal. Tatsächlich finden sich am Ende Pärchen, aber wie im realen Leben sind es die, bei denen man am wenigsten vermuten würde, das es zwischen ihnen klappt. Und die Frauen sind im Film mutiger und können ein Date, das sich unmöglich benimmt und nur Sex will, auch mal mit einem coolen Spruch vor der Haustüre stehen lassen. In der Realität ist das oft schwieriger.

Bekannte Gesichter, auch wenn die Namen der deutschen Schauspieler noch nichts so geläufig sind, geben sich hier ein hochkarätiges Stelldichein und machen „Shoppen“ zu einem Film, der mit verklärter Single-Romantik nur so viel zu tun hat, wie es der Schein vorgaukelt. Die Realität ist steril, weiß, hallt nach und so mancher Teilnehmer am Speed Date hat sein Listenschema F, das mit unmöglichen Fragen jeden Interessenten in die Flucht schlägt. Andere üben den verbalen Schlagabtausch, statt Komplimente gibt’s sinnlose Diskussionen oder aber einen handfesten lautstarken Streit. Und doch halten alle bis zum Ende durch, immer in der Hoffnung: „Da ist doch einer/eine der/die jetzt bestimmt genau zu mir und meinem Schicksal oder meinen Wünschen passt“.

Die Autorin dieses Beitrags ist von diesem Film begeistert und wird ihn sicher noch einmal oder zweimal sehen, weil er einfach nur Spaß macht und das Thema Speeddating und Singlesuche mit der gekonnten Mischung aus Ernst, Humor, Klischee und Wahrheit angeht und dabei auf dramatische Inszenierung oder Hochglanzbilder verzichtet.

Die Eckdaten zum Film „Shoppen“

Entstanden ist der Film im Jahr 2006 unter der Regie von Ralf Westhoff mit einer fantastischen Besetzung junger Schauspieler, vorrangig aus der Münchner Theaterszene, von denen viele jedoch auch in deutschen gesellschaftskritischen Filmen schon ihren erfolgreichen Einsatz hatten, darunter Anna Böger, Julia Koschitz, Julia Heinze, Matthias Bundschuh, Felix Hellmann, Sebastian Weber. Der Kinopremiere im Jahr 2007 wohnten allein in Deutschland über 300.000 Zuschauer bei, auch in Österreich und der Schweiz zeigte sich das Interesse am Film riesengroß. An Auszeichnungen mangelt es dem Ensemblefilm, der in der Münchner Region spielt, nicht: Neben dem Bayerischen Filmpreis 2008, erhielt „Shoppen“ den Publikumspreis des Festivals des Deutschen Films in Paris sowie in London und war in den Kategorien Bester Spielfilm und Bestes Drehbuch auch für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Unterm Strich: Ein Fazit der Autorin

Was soll Mann oder Frau nun am Ende mit dem Film anfangen? Also er hätte gar nicht enden müssen, denn irgendwie ist man als Zuschauer so mittendrin und voll dabei. Will mehr sehen, will eigenen Erfahrungen nachspüren oder einfach mal eine grobe Vorstellung von einem Speeddate und was dabei rauskommen kann, haben. Es bleibt ein fader Beigeschmack, obwohl die spannende Unterhaltung und der subtile Witz die Überhand behalten. Am ehesten kann sich die Autorin mit der Pressestimme der Zeit Campus, Ausgabe 02/07, zum Film anfreunden: „Erkenntnis: Wahrscheinlich muss man sich doch beim Skifahren kennenlernen, oder an der Käsetheke.“

Singles sollten sich den Film unbedingt anschauen, denn er bringt das Thema Speeddating in der modernen Welt auf den Punkt und ist dabei doch herrlich direkt, unverblümt und mitunter auch ein klein wenig überzogen. Aber so ist das eben mit Erwartungen, die unerfüllt bleiben. Und niemand muss warten, bis der Streifen wieder im TV gezeigt wird, denn die DVD ist im Handel (z.B. über Amazon) käuflich zu erwerben. In diesem Sinne viel Vergnügen mit einem der besten deutschen Filme, die sich an ein Thema wagt, das sich meist nur hinter verschlossenen Türen abspielt.

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