Ghosting und Benching – ungewünschte Flirtphänomene

Partnersuche, der schnelle Sex oder einfach nur ein Zeitvertreib – beim Online-Dating sind heute vielfach zwei Phänomene im Spiel: Ghosting und Benching. Nicht, dass es diese Erscheinungen noch nicht gegeben hätte, aber im digitalen Zeitalter nehmen sie ein neues Ausmaß an und tragen dazu bei, dass Grundvertrauen, das eigentlich die Basis für Zwischenmenschliches Miteinander ist, verlorengeht. Schauen wir uns die unangenehmen Dating-Trends genauer an.

Was ist Ghosting?

Unabhängig davon, ob die Kommunikation bzw. die, wie auch immer geartete, Beziehung schon länger besteht oder gerade erst ins Rollen kommt: Von heute auf morgen streicht einer der Beteiligten ohne ein Wort oder eine Nachricht die Segel. Er löst sich in Luft auf – wie ein  Geist, ist unerreichbar, quasi vom Erdbeben verschluckt. Manche fragen sich dann zurecht, ob es diesen Menschen überhaupt gegeben hat. Dabei scheint vorher alles wunderbar, harmonisch, vielversprechend. Der „Ghost“, der männlich wie weiblich sein kann, erzählt viel, wenn der Tag lang ist, macht in der Kennenlernphase Komplimente, Geschenke. Toller Sex ist vielleicht im Spiel. Aus einem Date werden zwei, drei oder mehr. Und dann: Funkstille. Keine Nachricht, kein Anruf, Mitteilungen des anderen werden konsequent ignoriert, bis dieser resigniert aufgibt.

Was steckt hinter Ghosting? Ghosting ist im Prinzip nichts Neues. Dass Menschen aus dem Leben des Partners einfach so verschwinden, ist schon viele Male vorgekommen und kann jederzeit wieder geschehen. Der Mann, der mal eben schnell nur Zigaretten holen will und dann nie wieder kommt oder die Frau, die angeblich für ein paar Tage zu ihrer Freundin fährt, dort aber niemals angekommen ist und auf nimmer Wiedersehen verschollen bleibt, sind traurige Beispiele. In Wirklichkeit und abgesehen von tragischen Unglücksfällen oder Verbrechen, suchen diese Menschen still und klammheimlich das Weite, weil sie das eigentlich schon lange wollten, sich aber nicht der Auseinandersetzung mit dem Partner stellen möchten. Die Sorgen und die Ungewissheit, die an den Zurückgelassenen nagen, sind in diesen Situationen zermürbend, denn jeder geht zunächst tatsächlich davon aus, dass etwas Schlimmes passiert ist.

Bei Männern im Online-Dating ist das Ghosting-Verhalten verbreiteter als bei Frauen. Auf die Frage, warum Männer das tun, antworten die bösen „Ghoster“ ganz unterschiedlich aber mit dem gleichen Backround:

  • Ich hatte kein wirkliches Interesse an ihr.
  • Ich habe mich nicht getraut, ihr zu sagen, dass es ganz nett war, aber nicht mehr daraus werden kann/dass ich mich nicht verliebt habe/dass ich nur Sex wollte.
  • Ich habe es mir anders überlegt, ich möchte mich nicht näher einlassen.
  • Ich habe parallel gedatet und finde eine andere Frau interessanter.

Dahinter steht jedenfalls klipp und klar: Mit dieser Frau, die er nun so sang- und klanglos hat sitzen lassen, will er keinen weiteren Kontakt. Warum auch immer, ist da doch eher zweitrangig. Es ist aus, vorbei, finito.

Doch die Person, die das Ghosting betrifft, die bleibt im Unklaren, grübelt, macht sich Gedanken hin und her, zweifelt an sich selbst und kann sich nicht mehr auf die wirklichen Dinge konzentrieren. Sie hängt einem Geist nach, der es nicht wert ist. Je länger eine Beziehung andauert, wobei Beziehung sich nicht nur auf die Liebesbeziehung begrenzt, sondern den gesamten zwischenmenschlichen Kontakt abdeckt, umso schwieriger wird es für das Ghosting-Opfer zu verstehen und loszulassen. Oftmals werden noch Bemühungen in viele Richtungen unternommen, um endlich Antworten auf die bohrenden Warum-Fragen zu bekommen.

Was ist Benching?

Benching ist eine Variante von Ghosting. Und jeder Bencher wird früher oder später zum Ghoster. Bencher schieben den anderen auf die lange Bank, halten ihn hin. Sie fahren mehrgleisig, haben viele Eisen im Feuer und warten permanent darauf, dass noch etwas Besseres nachkommt.

Bencher haben im Gegensatz zum Ghoster ein echtes Problem. Sie sind unfähig, sich auf eine Person zu konzentrieren und einzulassen, oftmals suchen sie nichts Spezielles, sie genießen ihre Freiheit und baden sich in Selbstbestätigung, dass so viele potentielle Interessenten für ihre Person vorhanden sind. Sie melden sich, wann es ihnen passt und wenn sonst nichts Besseres verfügbar ist. Sie erzählen jedem und jeder, dass nur er oder sie das Schönste, Größte und Tollste auf der Welt ist, um sich dann wieder tagelang, wochenlang oder gar monatelang mit Ausreden und sporadischem Pflichtmelden aus der Affäre zu ziehen. Bis ihnen wieder einfällt: Ach, da war ja noch was. Und sie bleiben während der Warmhaltezeit freundlich, höflich, wenn auch distanziert.

Der Benching-Typ, weiblich oder männlich, ist ein unehrlicher Mensch, der mit Gefühlen anderer spielt. Aber er ist nicht unerreichbar wie der Ghost und man kann ihm auch den Garaus machen, denn es gibt erste Anzeichen, die verraten: Der oder die meint es einfach nicht ernst oder weiß nicht, was er oder sie will.

Das eigene Bauchgefühl hat hier meistens Recht: Echtes Interesse wird bekundet und mit Taten belegt. Echtes Interesse an ausschließlich der einen Person wird nicht aufgeschoben und nicht verschoben, Dates werden nicht abgesagt. Wer den anderen mag und besser kennenlernen will, der hat Zeit und Lust. Er will jede freie Minute gemeinsam verbringen und findet keine platten Ausreden von Marsmännchen, Mondlandungen und anderen Einhörnern, die reine Fantasiegebilde sind. Trennen Sie sich innerlich so schnell wie möglich, wenn Sie das Gefühl haben, bei einem Bencher an der Angel zu hängen. Auch hier gilt: Je länger Sie hingehalten werden, umso schwieriger die endgültige Auflösung der Angelegenheit.

Ghosting und Benching schaden der Psyche und der Gesellschaft

Ghosting und Benching sind heute im Online-Dating an der Tagesordnung, die Foren der Singleportale und Partnerbörsen voll mit Threads wie: „Warum meldet er/sie sich nicht mehr?“. Hoffnungen, Erwartungen, Vertrauen werden durch diese Verhaltensweisen enttäuscht und meist bleibt es nicht bei einem Mal, dass Mann oder Frau einem Ghoster oder Bencher auf den Leim geht.

Dauerhaft schwindet das Vertrauen in andere und es wird auch polarisiert, irgendwann heißt es dann: Alle Menschen sind so, ich vertraue niemandem mehr. Das führt in jeder zwischenmenschlichen Beziehung zu Problemen, wenn Urvertrauen und Hoffnung fehlen, denn Misstrauen, Eifersucht, Aggression können dann die Oberhand gewinnen. Auch Rückzug, soziale Einsamkeit und gesellschaftliche Isolation in Verbindung mit Depressionen können langwierige Folgen sein.

Sind diese Phänomene in den Griff zu bekommen?

Beim Benching ist es einfacher, denn der Punkt, an dem die persönliche Grenze überschritten wird, lässt sich regelrecht spüren. Sobald es losgeht mit den seltsamen Äußerungen und Verhaltensweisen, sollte der Kontakt beendet werden und zwar nicht durch Ghosting, sondern durch eine klare Ansage an den Bencher.

Ghosting ist hingegen unberechenbar. Es kann jederzeit passieren und macht relativ machtlos. Schutz gibt es hier nur durch die persönliche Abgrenzung und eine vorsichtige Herangehensweise. Je offener man sich gegenüber dem anderen gibt, umso mehr bereut man das vertraulich Gesagte oder Gezeigte, wenn man den Ghoster als solchen entlarvt hat. Mehr Distanz wahren, erst einmal abwarten und auf bestimmte Schemata achten, lauten die Strategien. Gerade beim Online-Dating lässt sich schon an so manchen Zwischentönen heraushören, ob der Datingpartner für das Plus an Vertrauen taugt. Denn ein Ghoster kann nur eine bestimmte Zeit die Fassade der Pünktlichkeit, des Liebzreizes, der Komplimente und Fürsorglichkeit aufrechterhalten, dann wird es ihm zu anstrengend. Langsam reduziert sich seine Kommunikation, geplante Verabredungen werden in Frage gestellt, verschoben und für dies und das finden sich seltsame Ausreden.

Ghosting und Benching leben von der Unverbindlichkeit, die Online-Dating mit sich bringt. Dahinter stehen allerdings auch Persönlichkeiten, die im wahren Leben wenig von Verbindlichkeit und Verantwortung halten. Das Leben besteht aber aus Verbindlichkeiten und Verantwortung. Stellen Sie sich vor, jemand geht morgens einfach so ohne Grund nicht zur Arbeit, kümmert sich nicht um die Kinder, zahlt seine Rechnungen nicht – Für all diese Nachlässigkeiten gibt es früher oder später Sanktionen – für Ghosting und Benching leider noch nicht.

Setzen Sie daher Ihre Grenzen und ziehen Sie früh einen Schlussstrich. Das erspart Ihnen Kummer und Gedanken. Übrigens: Wenn sich ein totgeglaubter Ghost irgendwann doch wieder meldet, dann will er was von Ihnen, aber nichts Gutes. Das nennt man Zombieing. Lassen Sie ihn in Frieden ruhen.

Kommentarfunktion geschlossen

Navigiere