Zombieing: mehr als nur ein unangenehmer Online-Dating-Trend

Zombieing? Im Beitrag Ghosting & Benching wurde das Thema Zombieing bereits kurz angerissen. Alle drei Phänomene gehören zu den „neuen“ und fiesen Online-Trends, mit denen sich viele auseinandersetzen müssen. Aber es betrifft nicht nur die Personen, die auf Singlebörsen und Plattformen für die Partnersuche unterwegs sind, sondern es kann auch im ganz gewöhnlichen realen Leben zu einem Thema werden.

Das schöne und funktionale am Internetzeitalter ist ja, dass für bestimmte Verhaltensweisen endlich Begriffe gefunden werden, für die man bisher keine Worte hatte. So auch für das Phänomen, dass sich Personen, mit denen Mann oder Frau irgendwann einmal einen mehr oder weniger intensiven Kontakt oder eine Beziehung gepflegt hatten, sich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aus dem Reich der Totgesagten melden. Und wie heißt es so treffend: „Totgesagte leben länger.“ Im neuen Fachjargon wird dieses Phänomen als Zombieing bezeichnet. Allein schon der Begriff löst eine zarte Vorstellung von Horror aus.

Und in der Tat kann es zum Horror werden, denn alte Gefühle werden ebenfalls wieder aus dem Totenschlaf geweckt und mit ihnen gleich neue Hoffnungen. Warum das gefährlich und für die Psyche gar nicht gut ist und wie man mit den Zombies umgeht, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Ein Beispiel für Zombieing

Unsere zwei Protagonisten mit Namen Alexa und Alex stehen beispielhaft und ohne realen Bezug zu irgendjemandem für das praktizierte Zombieing. Beide haben sich über Facebook kennengelernt, rein zufällig. Sie treffen sich und am Anfang stehen die Zeichen auf zarte Liebe, gepaart mit sexueller Anziehungskraft. Doch beide wohnen 300 km auseinander und Alex macht schon nach wenigen Wochen einen Rückzieher, schiebt Krankheiten, private und berufliche Probleme vor. Alexa hat sich wirklich in Alex verliebt, sie investiert Zeit, Geld und Gefühle in die Beziehung, die keine ist und wird dann von Alex eiskalt abserviert.

Sie braucht mehrere Monate, um davon loszukommen, es ist eine schwere Zeit. Zwei Jahre später liest sie auf Ihrem Smartphone am Morgen ihres 28. Geburtstags einen Glückwunsch – von Alex. Sie ist erstaunt, bedankt sich und misst der ganzen Sache nicht so viel Wichtigkeit bei. Einen Tag später findet sie ebenfalls am Morgen eine neue Nachricht von Alex: „Ich vermisse Dich irgendwie, muss oft wieder an Dich denken, würde so gerne wieder mit Dir sprechen.“ Nun ist Alexa doch irritiert, erstaunt und fängt an, darüber nachzudenken. Was will er? Eigentlich weiß sie, was er will, denn seine Nachricht enthält bereits den Schlüssel zum Zombieing: „Ich bin in wenigen Tagen in Deiner Nähe zu einem Klassentreffen. Vielleicht können wir zusammen einen Kaffee trinken?“. Wie die Geschichte ausgeht, kann sich so mancher denken, aber die Auflösung gibt’s weiter unten.

Voraussetzungen für Zombieing

Zombieing setzt immer eine gewisse Grundbeziehung voraus. Welcher Natur diese ist, bleibt nebensächlich. Es kann sich um eine kurze Affäre, eine längere Liebesbeziehung, eine lange Partnerschaft, einige wenige belanglose Dates handeln. Jedenfalls hatten die betreffenden Personen einen mehr oder weniger innigen Kontakt. Meist gibt es eine klassische Konstellation: Die verlassene Person und die Person, die verlassen hat. Wie aus zahlreichen Experten-Meinungen zum Thema hervorgeht, avancieren in erster Linie diejenigen, die verlassen haben, zu den gefürchteten Zombies. Sie haben auch einen entscheidenden Vorteil: Sie können wieder auf alte Gefühle setzen, die sie in gemeiner Art und Weise zum Vorschein holen und somit den Verlassenen in ein Gefühlschaos versetzen.

Gründe und Hintergründe für Zombieing

Zombieing hat immer einen Grund oder besser gesagt einen Hintergrund. Niemand meldet sich einfach so aus heiterem Himmel, weil ihn urplötzlich wieder alte Gefühle und Sehnsüchte überrollen, meist steckt eine direkte Absicht dahinter. Wer Zombieing fernab von Gefühlen betrachtet, erkennt die Logik des Vorgehens. Oftmals geht es um ganz banale Dinge wie eine Übernachtungsmöglichkeit, der Zombie braucht Hilfe, hat schreckliche Langeweile, ist im Sexnotstand, fühlt sich von der ganzen Welt alleine gelassen und sucht sich nun ein bereitwilliges Opfer. Was liegt da näher, als die Person zu wählen, der man schon einmal das Herz gebrochen hat? Hier könnte ja noch was gehen, wenn nur die richtigen Knöpfchen gedrückt werden. Für den Zombie (männlich oder weiblich) praktisch, für das Opfer verheerend. Denn es wird alles wieder aufgewühlt und auch Menschen, die meinen, sie hätten mit einer früheren Beziehung abgeschlossen, werden von der Vergangenheit eingeholt.

Dass wirklich tiefere Gefühle oder gar die Absicht einer neuerlichen Beziehungsaufnahme hinter dem Zombieing stecken, halten Experten für unwahrscheinlich. Jemand der echtes Interesse hat, der bringt dies deutlich zum Ausdruck und braucht auch kaum zwei Jahre oder mehr, um sich dessen bewusst zu werden. Daher lautet der Rat: Finger weg, wenn der Zombie zurückkehrt.

Wie auf Zombieing reagieren?

Am besten zunächst gar nicht. Zombies wählen die unverfängliche Art der Kommunikation. Entweder sie rufen an, schicken einen Brief oder im Online-Zeitalter eine Nachricht über den Messenger. Nichts spricht dagegen, erst einmal nicht zu antworten, nach einigen Tagen kann dann ja vielleicht eine belanglose Antwort erfolgen, die jedoch keine Gefühle preisgibt. Es sollte ausgelotet werden, was der Zombie will.

Es ist eine schmale Gratwanderung und jeder, der es schon einmal mitgemacht hat, kann davon ein Lied singen, wie schnell selbst tief vergrabene Emotionen wieder an die Oberfläche kommen. Hoffnung steigt auf, die bitter enttäuscht wird. Denn ein Zombie ohne ehrliche Absichten arbeitet auf das Ziel hin und bedient sich dabei den aufgewühlten Emotionen, er schürt Hoffnung, ihm ist aber gleichgültig, wie er sein Opfer ein zweites Mal alleine zurücklässt.

Pauschale Empfehlungen gibt es hier leider nicht. Jeder muss seine Erfahrung machen, aber die Konsequenz der Ignoranz von Zombieing ist der bessere Weg. Das sehen wir am Beispiel von Alexa und Alex, deren Zombieing-Geschichte so ausgegangen ist:

Alexa hat sich dazu entschieden, mit Alex zu telefonieren. Schon nach kurzer Zeit am Telefon merkte sie, wie sie wieder dabei war, dem Charme von Alex zu erliegen. Die schlimme Zeit mit ihm war wie weggeblasen, auch die Beleidigungen und das unschöne Auseinandergehen. In ihr keimte Hoffnung auf, obwohl das eigentliche Gespräch dazu keinen Anlass gab. Alex deutete hingegen an, dass er wohl eine Übernachtungsmöglichkeit für seinen Aufenthalt in ihrer Nähe suchte. Alexa gab sich klugerweise bedeckt und antwortete darauf nicht.

Nach dem Auflegen kam dann alles wieder hoch und Alexa beschloss, keinen weiteren Kontakt zu Alex zu pflegen. Wie Messerstiche schossen ihr die Gedanken an die schwere Zeit danach in den Kopf und sie wollte das nicht noch einmal erleben. Und sie hatte richtig gehandelt, denn nach dem Telefonat kam von Alex, der ja den Kontakt angeblich wieder aufnehmen wollte, gar nichts mehr. Alexa hatte sich ohnehin schon ausgeklinkt. Was lässt sich daraus ableiten? Alex suchte wirklich nur nach einer kostenfreien Logis-Möglichkeit und da er beim Telefonat wohl merkte, dass er bei Alexa nicht landen konnte, verflüchtigte sich sein neues Interesse schnell wieder.

Fazit ist: Besser die Finger weg, es gab einst gute Gründe, die zur Trennung geführt haben und die lassen sich nicht so ohne weiteres wegschieben. Das aktuelle Leben hat immer den Vorrang und in das passt ein Zombie aus dem Totenreich nun wirklich nicht.

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