Was ist Sologamie?

Sologamie bedeutet: Selbstheirat. Aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist dieses hochoffizielle Bekenntnis zu sich selbst zu uns herübergeschwappt und wird gerne als ein neuer Trend bezeichnet. Kurioserweise haben die Frauen diese Option für sich entdeckt, Männer finden daran weniger persönlichen Gefallen. Ist es ein weiteres Zeichen von Feminismus, eine Art Idealismus oder einfach nur eine witzige Sache? Um darauf Antworten zu finden, wird die Sologamie näher unter die Lupe genommen.

Das Ritual zur Selbstbekenntnis mit rauschender Feier

Sologamie: Sich selbst heiraten. Was steckt dahinter und wie sieht das in der Praxis aus? Brandneu ist dieser „Trend“ nicht. Er kommt aus Amerika und wird in erster Linie von Frauen zwischen 30 und 40 Jahren praktiziert. Hier heiratete eine Dame namens Linda Baker bereits 1993 sich selbst. Aber nicht in aller Stille oder unscheinbar, sondern mit einem rauschenden Fest, sieben Brautjungfern und 75 Gästen.

Später griff Sarah Jessica Parker als Carrie Bradshaw in der Erfolgsserie Sex and the City das Thema auf und verstärkte damit den neuen Hype, dass Frauen in den besten Jahren sich selbst rauschend feiern, die ewige Treue versprechen und damit auch gleichzeitig in ein gefühlt neues Leben aufbrechen.

Sologamie: Ich heirate mich selbstAuf europäischem Boden gab sich die Italienerin Laura Mesi als Erste das Jawort. Auch in Deutschland hat mittlerweile eine stolze Braut ja zu sich selbst gesagt. Sie wurde 2018 in der Hamburger St. Pauli Kirche von einem Pastor getraut. Allerding sieht dieser das Ganze nicht als ein grundsätzlich gesellschaftsfähiges Ereignis, zumal es in Deutschland dafür keine Rechtsgrundlagen gibt. Es ist eine Zeremonie, ähnlich der des Brautpaares, es gibt allerdings keine Dokumente darüber und auch eine Steuerersparnis ist für Sologamisten nicht drin.

Männer können an diesem Trend nicht wirklich für sich selbst Gefallen finden, denn bis dato hat noch kein Mann sich getraut, zu sich selbst ja zu sagen. Zumindest sind darüber keine öffentlichen Informationen verfügbar.

Der Hintergrund der Selbstehe – Bedeutung für die Frau

Die Vorteile einer Selbstehe liegen auf der psychologischen Ebene. Bisher unverheiratete Frauen trotzen dem gesellschaftlichen „Makel“ der Ehelosigkeit, die früher besonders argwöhnisch betrachtet wurde. Sogar heutzutage werden Frauen, die mit 30 oder gar 40 Jahren noch nicht verheiratet sind, immer noch verwundert angeschaut.

Frauen demonstrieren mit der Sologamie, dass sie keinen Partner an ihrer Seite brauchen, um zu heiraten und glücklich zu sein. Sie wollen damit aber auch vor Augen führen, dass ohne die Selbstliebe keine tiefe Liebe zu anderen möglich ist und dass das persönliche Glück nicht von einer anderen Person abhängt.

Der Hamburger Pastor, der die erste Selbsthochzeit in Deutschland durchgeführt hat, erkennt in dieser Aktion für sich eher einen seelsorgerischen Hintergrund. Denn die Frauen, die sich für eine Selbstehe entscheiden oder bereits international entschieden haben, sind meist von Schicksalsschlägen, unangenehmen, einschneidenden Erfahrungen geprägt und länger oder bewusst partnerlos. Das belegen auch die Hintergrundinformationen über die Damen, die eine solche Selbstehe bereits eingegangen sind.

Die Selbsthochzeit ist demnach eher ein Ritual, um mit sich ins Reine zu kommen, sich selbst  etwas zu versprechen, einen Neuanfang zu wagen und das mit einem rauschenden Fest zu besiegeln. Denn die Feier ist bei der Selbstheirat unverzichtbar.

Welche Frau träumt nicht von einer Hochzeit in Weiß mit vielen Gästen, Hochzeitstorte und allem, was dazugehört? Für so manche geht dieser Traum nie in Erfüllung. Mit der Selbsthochzeit ist das anders. Die Frauen feiern sich gebührend mit dem Fest, dass sie sich immer gewünscht haben. Dazu braucht es keinen Partner. Der „Ehering“ wird mit sich selbst getauscht. Bekenntnis zur Selbstliebe mit dem Wunsch nach Heirat nennen die Anhänger dieses Phänomens die Sologamie.

In den Augen von Psychologen hat die Sologamie einen besonderen therapeutischen Stellenwert für Personen ohne Selbstwertgefühl und mit Enttäuschungen im partnerschaftlichen Bereich. Das verletzte Ich wird mit einem zeremoniellen Akt ganz groß gefeiert und aufgebaut.

Trotzdem, und das sollte nicht unter den Tisch gekehrt werden, gehört natürlich zu einer Selbsthochzeit mit großem Fest eine ordentliche Portion Mut, denn Angehörige, Freunde und Bekannte sind nicht selten verblüfft, wenn man sie zur eigenen Hochzeit mit sich selbst einlädt. Manche sehen darin auch eine Selbstinszenierung.

Kritik an der Sologamie

Sologamie - ein ausdruck von Selbstverliebtheit?Narzissmus, Egoismus, Selbstdarstellung lauten die kritischen Worte über die Sologamie. Sie sei eine Art Trotzreaktion auf Beziehungen, die in die Brüche gegangen sind oder schlechte Erfahrungen in einer Partnerschaft. Sologamistinnen wollten bewusst alleine mit sich selbst leben, da sie einem Partner keinen Raum schenken möchten, keine Lust auf Auseinandersetzung und Kompromisse haben. Sie seien mit sich selbst am glücklichsten.

Weiterhin wird den Frauen unterstellt, dass sie sich selbst aus Verzweiflung heiraten, weil sie keinen Partner zum Heiraten haben oder finden. Auch die Punkte, sich einmal im weißen Traumkleid vor seiner Gästeschar zu präsentieren und die eigene Hochzeitsfeier in vollen Zügen zu genießen, werden gerne angeführt in Bezug auf unerfüllte Wünsche und Selbstinszenierung.

Keine rechtlich wirksame Trauung

In Deutschland ist das Privileg der Ehe zwei Personen vorenthalten. Die Solohochzeit wird somit zu keinem rechtswirksamen Akt, der sich auf andere Lebensbereiche wie Steuerklasse oder Krankenversicherung auswirkt. Die Zeremonie hat keinen offiziellen Charakter und wirkt eher wie ein Rollenspiel. Was jedoch von den stattgefunden Hochzeitsfeiern berichtet wurde, lässt erkennen, dass die Gäste in Sachen Unterhaltung und Spaß keinen Bräutigam vermisst haben.

Der Hamburger Pastor wünscht sich nicht unbedingt eine Flut an Anfragen heiratswilliger Frauen ohne Partner, denn für ihn soll diese spezielle Trauung eher die Ausnahme als die Regel bleiben, da alles, wie er meint, seine Grenzen hat.

Über eine Scheidung müssen sich Sologamisten wahrlich keine Sorgen machen. Denn die Verbindung mit sich selbst hält mit oder ohne Trauzeremonie ohnehin ein ganzes Leben, bis dass der Tod sie scheidet.

Das Geschäft mit der Sologamie

Seien wir mal ehrlich: Wenn es um das Hochzeitsfest geht, haben Frauen seit jeher die Nase vorn. Ihre Vorstellungen sind deutlich konkreter als die des Mannes und vom typischen Brautklischee geprägt. Schließlich soll es „Ihr“ schönster Tag werden. Zweifelsohne haben auch Männer Freude daran und genießen die einmalige Atmosphäre, die von einer zeremoniellen Trauung und der anschließenden Feier ausgeht, aber die Nummer kleiner oder auch ganz anders wäre ihnen ebenso recht.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass findige Geschäftsleute aus der Sologamie ein profitables Schnäppchen schlagen. Sie organisieren die Selbsthochzeit für Frauen von A-Z. Darunter finden sich nicht wenige traditionelle Hochzeitsveranstalter, die mit der Sologamie ein zusätzliches Angebot in ihr Portfolio aufnehmen.

Das Wesentliche rund um die Selbsthochzeit, die in einigen Punkten von der Norm abweicht, können Frauen in einem zehnwöchigen Online-Kurs des Anbieters Self Marriage Ceremonies lernen, z.B.:

  • Wie sehen die zeremoniellen Praktiken aus?
  • Wie schreibt Frau das Gelübde?
  • Wie funktioniert die Verlobung?
  • Was sind die Folgen der Ehe?

Auch die Plattform imarriedme.com hat sich auf die Sologamie spezialisiert. Die Macher bieten Hochzeitssets, die neben dem Ehering eine Anleitung zur Selbsthochzeit sowie Selbstbestätigungskärtchen beinhalten.

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